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Der Vize-Chefredakteur des MM, Georg Anastasiadis.

Kommentar

Nach Aussagen von Kölner Imam: Wo sind die Feministinnen?

München - Indem er die Denk- und Handlungsmuster eines wildgewordenen Mobs als irgendwie nachvollziehbar darstellt, verhöhnt Kölner Imam die Opfer. Die Zuwanderung eines archaischen Frauenbildes lässt manche heute bemerkenswert kalt. 

Alles wieder nur ein Missverständnis? Der Kölner Imam will nichts mehr wissen von einem Interview, das er einem russischen Privatsender gegeben hat und in dem er folgendermaßen wiedergegeben wurde: „Die Ereignisse in der Silvesternacht waren die Schuld der Frauen, weil sie halbnackt waren und Parfum trugen. Sich so anzuziehen, ist wie Öl ins Feuer gießen.“ Jetzt, da die Sache zuhause Wellen schlägt, sieht der Imam seine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und beteuert, er sei nicht der Meinung, dass Frauen sich nicht so kleiden dürfen.

Man ahnt, wie es gelaufen ist: Da ist mal wieder einer ausgerutscht auf dem schmalen Grat zwischen klammheimlichem Verständnis für die Täter und der gleichzeitigen Notwendigkeit, sich öffentlich von ihnen distanzieren zu müssen. Indem er die Denk- und Handlungsmuster eines wildgewordenen Mobs als irgendwie nachvollziehbar darstellt, verhöhnt der Prediger die Opfer. 

Er ist damit nicht allein: Eine marokkanischstämmige Bundeswehr-Soldatin durfte gestern im Morgenmagazin von ARD und ZDF unwidersprochen behaupten, dass die marokkanische Herkunft einiger Täter eine unbewiesene Unterstellung sei und dass die Kölner Übergriffe nichts mit der muslimischen Sozialisation der Männer zu tun haben könnten, da der Islam Frauen ehre. Und auch die Grünen machen mit bei der Umdeutung der Kölner Nacht der Schande: Statt darüber zu sprechen, dass es konkret nordafrikanische Muslime waren, die organisiert über Frauen hergefallen waren, wollen manche daraus viel lieber eine Debatte über das Versagen der Polizei machen. Und, natürlich, über „sexualisierte Gewalt“, die deutsche Männer ja angeblich seit jeher ausüben.

Wo bitte bleibt da der Aufschrei der Feministinnen? Als der FDP-Politiker Brüderle einer Dirndlträgerin einst ein anzügliches Kompliment machte, toste ein Orkan durchs Land, dass man meinte, das Abendland stehe vor dem Untergang. Die Zuwanderung eines archaischen Frauenbildes aber lässt manche, die sich wie Claudia Roth damals gar nicht genug empören konnten, heute bemerkenswert kalt.

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