MM-Redakteur Sebastian Horsch. 

Das Sterben vor der Küste Libyens

Kommentar: Legale Wege stärken

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München - Der Flüchtlingsstrom in Richtung Europa reißt nicht ab. Aber wie kann das Schleuser-Problem dauerhaft gelöst werden? Ein Kommentar von Sebastian Horsch.

Die Schleuser wissen, dass ihre Boote nicht den ganzen Weg schaffen müssen. Ein paar Meilen von der Küste Libyens entfernt fischen Retter die Menschen aus dem Wasser und bringen sie nach Europa. Weil sie das wissen, pferchen die Schleuser die Flüchtlinge enger zusammen, geben ihnen weniger Wasser und verdienen noch mehr Geld – und noch mehr Menschen sterben.

Hunderttausende warten bereits jetzt in Libyen. Hunderttausende werden folgen. Und wird ein Weg geschlossen, das zeigt die Erfahrung, findet sich ein neuer. Doch gerade weil es immer einen Weg nach Europa geben wird, darf der attraktivste nicht der sein, der tausende Leben kostet und Verbrecher reich macht. Selbstverständlich müssen die Menschen gerettet werden, doch die Frage ist, was danach passiert. So hart das klingt: Wer diesen Weg wählt, darf keinen Erfolg haben – damit auch die Schleuser weniger Erfolg haben.

Doch keine Illusionen: Das Problem ist nicht damit gelöst, die Menschen einfach dorthin zurückzuschicken, wo sie herkommen. Manche wird das abschrecken, doch wer keine Wahl hat, der wird es trotzdem versuchen. Wenn man den Schleppern also wirklich das Handwerk legen will, braucht es zusätzliche legale Wege nach Europa. Die realistische Chance auf Arbeits- oder Ausbildungsvisa. Verfahren, die man kontrollieren kann, die vielen, die heute auf dem Marsch durch die Wüste sterben oder im Meer ertrinken aber eine echte Alternative bieten. Solange es diese Wege kaum gibt, wird das Sterben weitergehen. Die Frage ist nur wo.

Sie erreichen den Autor unter

Sebastian.Horsch@merkur.de

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