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MM-Redakteur Christian Deutschländer.

Kommentar

Machtkampf Seehofer-Söder: Kraftraubende Kunst

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München - Horst Seehofer und Markus Söder bieten sich einen spektakulären Schaukampf um die Macht in Bayern. Der Ausblick? Ungewiss. Ein Teil der Partei beginnt sich allerdings zu sorgen, ob nicht Energie derzeit falsch eingesetzt wird.

Betrachtet man als Kunst, was Horst Seehofer und Markus Söder treiben, dann ist es großartig. In irrwitzigen Sprüngen, mit Drehungen, angetäuschten Schlägen und unbewegter Miene bieten die beiden CSU-Herren einen spektakulären Schaukampf um die Macht in Bayern. Keine Aktion mehr, die nicht zumindest mittelbar gegen den anderen zielt. Und doch wird noch kein Tritt so ausgeführt, dass er den anderen endgültig zum Sturz bringt.

Betrachtet man das als Politik, dann ist es gefährlich. Aktuell haben weder Seehofer noch Söder diesen Kampf nötig. Seehofer ist, auch durch sein Agieren in der Flüchtlingskrise, parteiintern derzeit unangefochten. Die Frage nach seiner Nachfolge würde, zumindest noch in den kommenden Monaten, ruhen. Söder hat nun über Jahre hinweg all seine Rivalen abgehängt, er müsste nur zuwarten. Doch ihr wechselseitiges, abgrundtiefes Misstrauen zueinander beschleunigt den Machtkampf. Er hat diese Tage nochmal auffallend an Härte zugelegt.

Ausblick? Ungewiss. Extremszenarien reichen bis zu Söders Entlassung oder einem Putsch gegen Seehofer. Dann entscheidet am Ende, wessen Kraft länger reicht. Das kann besser sein als eine lauwarm ausgekuschelte Ämterteilung. Ein Teil der Partei beginnt sich allerdings zu sorgen, ob nicht Energie derzeit falsch eingesetzt wird.

 

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