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Georg Anastasiadis

Weber weg, Weidmann weg

Kommentar: Macron und Merkel erledigen zwei auf einen Streich

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Weber weg, Weidmann weg: Der französische Präsident und die deutsche Kanzlerin haben in Brüssel ganze Arbeit geleistet. Aber nur die Grande Nation jubelt. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Während die Wähler sich auch am Tag danach noch keinen rechten Reim auf den Ausgang des europäischen Posten-Pokers machen können, haben die Finanzmärkte das Spiel schnell durchschaut: Die ohnehin rekordtiefen Zinsen sackten zu Wochenbeginn noch einmal drastisch ab. Sparer, die dem deutschen Staat heute für zehn Jahre Geld leihen, kriegen keine Rendite, sondern zahlen kräftig drauf: 0,4 Prozent, und das jedes Jahr.

Mit der bisherigen IWF-Chefin Christine Lagarde hieven die Europäer eine Powerfrau mit exzellenter Finanzmarkt-Expertise an die Spitze der Europäischen Zentralbank. Aber eben auch eine (Ex-)Politikerin, die wie ihr Vorgänger Mario Draghi bereit ist, zur Rettung des Euro alles zu geben – „whatever it takes“. Die Geldwertstabilität hat im Zweifel dahinter zurückzustehen. Die EZB spricht also auch künftig italienisch, wenn auch mit französischem Akzent. Die Politisierung der formal unabhängigen Notenbank schreitet voran, ganz im Sinne von Paris. Es stimmt ja: Auch Jens Weidmann, der deutsche Bewerber um den EZB-Chefsessel, hätte angesichts der schwierigen Situation, in der sich viele EU-Länder befinden, nur geringe Handlungsspielräume gehabt. Und doch wäre das Signal ein anderes gewesen.

Als Ergebnis langer Verhandlungsnächte ist aus deutscher Sicht festzuhalten, dass die Kanzlerin zwei nationale Hoffnungsträger auf einen Streich erledigt hat: Manfred Weber, der Favorit der Wähler, wird nicht Kommissionschef. Und Jens Weidmann, der Kandidat der Sparer und des deutschen Finanzmarkts, wird nicht EZB-Präsident. Hier davon zu sprechen, die einstige Gipfelkönigin Angela Merkel habe sich in Europa noch einmal durchgesetzt, wäre ziemlich verwegen. Freuen dürfte sich, wenn es so kommt wie in Brüsseler Hinterzimmern ausgekungelt, am Ende nur ihre alte Weggefährtin Ursula von der Leyen. Und Macron, der sich in Frankreich ungeniert dafür feiern lässt, dass er Weber und Weidmann verhindert hat.

Ursula von der Leyen. Auf diese Idee musste man erst einmal kommen, findet Merkur-Kommentator Mike Schier.

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