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Kommentar: Mäßigung beim Streitthema Sexualkunde

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München - Kaum ein Streit wird so erbittert geführt, wie die Sexualerziehung von Kindern in Schulen. Unser Redakteur Dirk Walter plädiert für Mäßigung in einem Kampf, der für die Schulwirklichkeit weitgehend irrelevant ist.

Nein, eine Sexualisierung unserer Kinder droht nicht – zumindest nicht an den Schulen. Der Eifer, mit dem manche erzkonservative Gruppen gegen den relativ harmlosen Sexualkunde-Unterricht zu Felde ziehen, verwundert dann doch. Da wird über angeblich drohende „Verschwulung“ und eine „Frühsexualisierung“ der Kinder fabuliert. An der Frühsexualisierung ist vielleicht was dran – aber sie droht weniger von den Schulen, mehr doch durch manche Internet-Medien und Schlüpfrigkeiten des Privatfernsehens. Da wäre der missionarische Trieb einiger Gruppen ganz gut aufgehoben.

Die bayerischen Schulen werden also nicht im angeblichen „Gender-Wahn“ untergehen. Allerdings müssen Kindern – da ist mancher Kritik Recht zu geben – auch nicht alle Feinheiten ausgelebter Sexualität nahe gebracht werden. Ob nun Trans- und Bisexualität „nur“ Respekt oder aber Akzeptanz entgegenbracht werden soll, ist für die Schulwirklichkeit ohne Relevanz. Das sind Worthülsen, politisch-ideologisch hart umkämpft, de facto aber bedeutungslos. Klar ist, dass für solche Lebensformen in der Schule nicht geworben werden sollte – aber sie dürfen auch nicht verdammt werden. Manche seltsamen Auswüchse, wie etwa ein in Nordrhein-Westfalen angeblich verbreiteter „Kondomführerschein“ an Schulen für Achtklässler, sind zumindest in Bayern (zum Glück) nicht bekannt. Deshalb tun alle Seiten gut daran, den Streit um Sexualkunde mit weniger Härte zu führen.

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