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Merkur-Chefredakteurin Bettina Bäumlisberger

Kommentar

Medien-Debatte nach Köln: Die Wahrheit verpflichtet

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Nach den Übergriffen in Köln wird den Medien vorgeworfen, zu vertuschen. In ihrem Kommentar nimmt Chefredakteurin Bettina Bäumlisberger zu den Vorwürfen Stellung.

In diesen Tagen nach der Kölner Silvesternacht wird den Medien häufig der Vorwurf gemacht, Nachrichten unterdrückt zu haben. Wo dies geschieht, wird fatalerweise in Kauf genommen, dass die freie Meinungsbildung eingeschränkt wird. Das ist in Zeiten des Echtzeit-Internets mit Twitter, Facebook und Youtube nicht nur töricht. Es kostet die Branche auch gewaltig Vertrauen.

Dennoch gehören wir – das kann ich für diese Zeitung garantieren – weder einem Schweigekartell an noch vertuschen wir Nachrichten. Wir legen allerdings Wert auf seriöse Quellen. Das ist unser Qualitätsanspruch. Deshalb werden wir auch in Zukunft nicht jede Behauptung ungeprüft ins Blatt heben, die im Netz kursiert, wo schnell mal aus haltlosen Gerüchten Vorwürfe werden.

Presse funktioniert anders als das Internet – aus gutem Grund. Wir sind der Wahrheit verpflichtet. Deshalb nehmen wir uns Zeit, um sorgfältig zu recherchieren, Nachrichten auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen und nur zuverlässige Informationen zu veröffentlichen. Und wir sind der Klarheit verpflichtet. Journalisten müssen häufig vereinfachen, um komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen. Das ist eine höchst verantwortliche Aufgabe, oft ein Drahtseilakt, der nicht jedem Medium jeden Tag gelingt. Ureigenster Auftrag von Journalisten ist es, die Öffentlichkeit zu informieren, nicht zu missionieren oder sich als Pädagogen aufzuspielen. Wenn nun Rechtsextremisten die Flüchtlingsdebatte instrumentalisieren, um Stimmung gegen Schutzsuchende zu machen, müssen wir dies ebenso thematisieren wie die Probleme, Konflikte und Befürchtungen, die sich aus der Massenzuwanderung ergeben. Den Bürgern kann die Wahrheit durchaus zugemutet werden. Für Hetze allerdings sind wir nicht zu haben!

Bettina Bäumlisberger

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