Umfragewerte im freien Fall

Kommentar: Merkel wähnte sich über dem Volk

  • schließen

München - Um Angela Merkel wird es in der Flüchtlingskrise kalt und einsam. So kommt es, wenn Kanzler über ihr Volk hinauszuwachsen glauben und sich höheren Zielen verpflichtet fühlen als denen, für die sie gewählt wurden. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Das nennt man wohl einen Erdrutsch: 60 Prozent der Deutschen halten laut neuem „Politbarometer“ den Zustrom an Flüchtlingen und Migranten für „nicht mehr verkraftbar“ – vor Köln hatten erst 46 Prozent den Glauben an Merkels Asylpolitik verloren. Zugleich stürzen die Beliebtheitswerte der Kanzlerin ab, und auf jeden dritten Unionswähler kommt bereits einer der AfD. Um Angela Merkel wird es kalt und einsam. So kommt es, wenn Kanzler über ihr Volk hinauszuwachsen glauben und sich höheren Zielen verpflichtet fühlen als denen, für die sie gewählt wurden.

Die Kanzlerin hat das Land gespalten

Früher als gedacht erwacht die CDU nach ihrem gespenstischen Karlsruher Jubel-Parteitag in der Realität und stellt fest: Die Wirklichkeit lässt sich nicht wegklatschen. Angela Merkel hat ihr Land gespalten. Jetzt muss sich ihre Partei entscheiden: zwischen ihrer Treue zur Kanzlerin – und ihrem Machterhaltungstrieb. Zwischen ihrer Treue zur Verfassung – und der Fortsetzung einer Politik der Rechtlosigkeit. Denn die Frage, wieviel Zuwanderung das Land verträgt, ist eine Grundsatzentscheidung, die nur der Bundestag treffen kann. Dass die CDU-Rebellen nun doch nicht wie angekündigt eine demokratische Entscheidung in der Fraktion über Merkels Asylkurs erzwingen, sondern stattdessen nur einen Brief an die „liebe Angela“ schreiben, ist aus Sicht des Kanzleramts die nächste Meisterleistung. Aus der Sicht der meisten Bürger aber ist es die nächste verpasste Chance, die Asylpolitik vom Kopf auf die Füße zu stellen – und sie dort zur Abstimmung zu stellen, wo sie hingehört: im Parlament.

Rubriklistenbild: © Haag

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Russische Stiftung bezahlte Krimreise von AfD-Politiker Pretzell
Koblenz - Marcus Pretzell von der AfD hat sich eine dienstliche Reise auf die Krim von einer russischen Stiftung bezahlen lassen. Für den Europaabgeordneten ist das …
Russische Stiftung bezahlte Krimreise von AfD-Politiker Pretzell
„Angriff gegen uns alle“: Frauenmärsche gegen Trump
Washington - Donald Trump bläst schon am ersten Tag seiner Präsidentschaft der Wind ins Gesicht. Weltweit gehen Frauen gegen den Republikaner auf die Straßen.
„Angriff gegen uns alle“: Frauenmärsche gegen Trump
Nationalisten üben in Koblenz den Schulterschluss
Koblenz - „Merkel muss weg“ rufen sie bei Pegida. Beim Treffen der Rechtspopulisten in Koblenz ertönt der gleiche Slogan. Rückenwind gibt den Teilnehmern der Sieg von …
Nationalisten üben in Koblenz den Schulterschluss
Tausende demonstrieren gegen Rechtspopulisten-Kongress
Koblenz - Bunte Fahnen, Transparente und die „Ode an die Freude“ haben Demonstranten dem Kongress europäischer Rechtspopulisten in Koblenz entgegengesetzt. Es kamen viel …
Tausende demonstrieren gegen Rechtspopulisten-Kongress

Kommentare