Nach Appell an die Zuwanderer

Kommentar: Merkel auf dem Weg zurück zu den Wählern

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München - Die Kanzlerin macht sich auf den weiten Weg nach Hause in ihre Parteienfamilie. Ihr Aufruf an Zuwanderer, stärker die Gebräuche unseres Landes zu respektieren, dürfte weitaus mehr dem entsprechen, was ihre irritierten Wähler von der CDU-Vorsitzenden erwarten. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.

Angela Merkel balanciert für sich das Verhältnis zwischen herzlicher Hilfsbereitschaft und nötiger Härte neu aus. Bisher sprach sie das selten, zu selten, offen aus.

MM-Redakteur Christian Deutschländer

Gut, das fällt leichter in einer (Zwischen-)Phase, in der kaum noch Flüchtlinge unsere Grenzen erreichen. Wohlfeil ist es dennoch nicht. In unserer Gesellschaft verschieben sich die Herausforderungen jetzt voraussichtlich von der Akuthilfe hin zur Integrationsarbeit. Das mag deutlich unspektakulärer sein, ist für das Land aber auf Dauer viel wichtiger. Wenn Integration scheitert – an der Aufnahmewilligkeit der Bürger oder an der Anpassungsfähigkeit der Zuwanderer – vollzieht sich das schleichend. Dieser Prozess, mustergültig zu beobachten in Frankreichs Vororte, spaltet die Gesellschaft weitaus stärker, als es der Streit um Grenzen und Obergrenzen bisher tat. Dass die Kanzlerin auf nötige und mitunter fehlende Toleranz hinweist, ist also richtig. Ihr Schweinefleisch-Beispiel mag banal klingen, ist aber fürs ganze Land verständlich, was man von Merkels bisheriger Politik nicht unbedingt so sagen konnte.

Die Kanzlerin ist also auf dem Weg zurück in ihre Parteienfamilie – das ist anzuerkennen. Jene, die mit Merkel zu Hochzeiten der Flüchtlingsankünfte gebrochen haben, dürfen zumindest darüber nachdenken, ob sie ihr auch gedanklich wieder einige Schritte entgegenkommen. Die trennende Wegstrecke ist allerdings auch dann noch ziemlich groß und das Zeitfenster bis zum Wahlkampf 2017 sehr klein.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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