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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Diesel-Wahlkampf: Kommando retour

Kommentar: Merkels Auto-Rückzieher

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So schnell kann‘s gehen: Kaum verkündet, zieht die Kanzlerin den von ihr verkündeten Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor auch schon wieder zurück.  Warum also erst das ganze Theater? Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Das ging fix. Das von Angela Merkel voreilig verkündete Aus für den Verbrennungsmotor war kaum in der Welt, da legt die Kanzlerin schon wieder den Rückwärtsgang ein, dass die Reifen nur so quietschen. Noch für „viele Jahrzehnte“, gar bis zum „Ende des Jahrhunderts“, werde man auf den Verbrenner nicht verzichten können, beteuerte Merkel jetzt im TV-Sommerinterview. So nebenbei wie der Atom-Ausstieg lässt sich im Automobilland Deutschland der Auto-Ausstieg eben nicht dekretieren – nicht mal durch eine schier allmächtige Kanzlerin.

Auch andere, die nach dem Abgas-Skandal ganz weit oben auf der Empörungswelle surften, rudern jetzt hektisch zurück: SPD-Chef Schulz will von Diesellverboten plötzlich nichts mehr wissen. Und auch bei den Grünen reden die besonneneren Gemüter nicht mehr davon, ganze Städte zu sperren, sondern Parkgebühren nach Schadstoffklasse zu staffeln. 15 Millionen Dieselfahrer sind eben auch Wähler.

Bei allem berechtigten Zorn über Tricksereien der Konzerne sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass auch dank deutscher Ingenieurskunst die Gesamt-Schadstoffemissionen durch den Verkehr in 20 Jahren um 40 Prozent gesunken sind, trotz steigender Kfz-Zahlen. Schon klar: Die deutsche Automobilwirtschaft darf sich, schon im ureigensten Interesse, dem globalen Wandel hin zu innovativen Antriebsformen nicht verschließen. Aber der törichte Reflex der Politik, made in Germany schlechter zu reden als es ist, nur um auch noch eben draufzuschlagen auf eine ohnehin am Pranger stehende Industrie, muss aufhören. Auch wenn es hierzulande manche nicht glauben wollen: Deutschland wird die Welt nicht retten. Schon gar nicht im Alleingang.

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