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MM-Vize-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Kommentar von Georg Anastasiadis

Merkels CDU als Juniorpartner in Stuttgart: Die A-dabei-Partei

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München - „Auch dabei“: Mehr Anspruch kann nicht entwickeln, wer so windschnittig im Zeitgeist surft wie eine CDU, der die Kanzlerin in zehnjähriger Feinarbeit alle Ecken und Kanten weggefeilt hat.

Im Ländle ist am Donnerstag zusammengewachsen, was nach Meinung der Kanzlerin schon längst zusammengehört: Schwarz und Grün – aber in umgekehrter Reihenfolge. Das ist historisch. Und für die CDU fatal: Sie wird den Grünen in der Rolle des Juniorpartners künftig die Wirtschaftskompetenz zuführen, die die Kretschmann-Partei braucht, um im postmateriellen Südwesten dauerhaft zur neuen Heimatpartei heranzureifen. Die CSU hat Bayern, die SPD Hamburg, die Grünen Baden-Württemberg. Aber was bleibt der CDU? Angela Merkels CDU wird zur A-dabei-Partei. „Auch dabei“: Mehr Anspruch kann nicht entwickeln, wer so windschnittig im Zeitgeist surft wie eine CDU, der die Kanzlerin in zehnjähriger Feinarbeit alle Ecken und Kanten weggefeilt hat.

Und doch wäre es unfair, Angela Merkel die alleinige Schuld am Unions-Desaster im Südwesten anzulasten. Es waren schon Spitzenkandidaten wie Stefan Mappus und Guido Wolf, die der – von Berlin verordneten – wachsenden inhaltlichen Leere der CDU in Baden-Württemberg erst ein Gesicht gaben. Ein Gesicht, in dem auch jene Wähler zu lesen verstanden, für die es noch vor kurzem unvorstellbar war, ihr Kreuz einmal irgendwo anders zu machen als bei der CDU. 

In den nächsten fünf Jahren an der Seite Kretschmanns droht die einst so stolze und selbstsichere Volkspartei eines Lothar Späth oder Erwin Teufel nun vollends zerrieben zu werden. Zwischen einem grünen Koalitionspartner, dessen Chef von sich sagt, er bete jeden Tag für Angela Merkel, und einer angriffslustigen AfD bleibt der Südwest-CDU in zentralen Politikfeldern wie der der Flüchtlings- und Integrationspolitik kaum Raum zur Profilierung.

Aus den sechs Gegenstimmen, die Kretschmann am Donnerstag bei seiner Wiederwahl zum Ministerpräsidenten kassierte, spricht die nackte Verzweiflung einer CDU, die ahnt, dass ihr Schicksal besiegelt ist. Der grüne Ober-Realo Winfried Kretschmann aber kann beweisen, dass er das Geschäft mit der Macht so virtuos beherrscht wie die Frau, für die er täglich betet. An ihm kommt keiner vorbei. Schon gar nicht der Koalitionspartner.

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