Alexander Weber, Redakteur des Münchner Merkur.

SPD kürt Schulz offiziell zum SPD-Chef

Kommentar: Merkels gefährlichster Gegner

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Am Sonntag wird die SPD ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz zum Parteivorsitzenden machen. Den kometenhaften Aufstieg von Schulz und dessen Position als Kontrahent von Angela Merkel kommentiert Alexander Weber, Redakteur des Münchner Merkur.

„Konkurrenz belebt das Geschäft“, kommentiert Angela Merkel scheinbar ungerührt den Höhenflug des mittlerweile vierten Sozialdemokraten, dem sie im Kampf um das Kanzleramt bei einer Bundestagswahl gegenübersteht. Was die CDU-Chefin ahnt, aber nicht sagt: Martin Schulz, den die Genossen an diesem Sonntag mit einer Krönungsmesse offiziell auf den SPD-Schild heben, ist ihr bisher gefährlichster Kontrahent. Der Würseler könnte sie tatsächlich um die Macht in Berlin bringen. Denn anders als seine gescheiterten Vorgänger Steinmeier, Steinbrück und Agenda-Schröder schafft es Schulz, das Herz der alten Tante SPD und vieler Bürger darüber hinaus zu erwärmen. Emotion, das war und ist das Stiefkind Angela Merkels. Mutti hin, Mutti her.

Dass die Sozialdemokratie das tiefe Tal der Agonie binnen weniger Wochen verlassen konnte, hat sie vor allem Sigmar Gabriel zu verdanken. Der Niedersachse wird die Stabübergabe an Schulz mit gemischten Gefühlen verfolgen. Einerseits hat er rational alles richtig gemacht: Er hat die Partei als junger Vorsitzender nach dem 23-Prozent-Debakel 2009 vor dem Auseinanderfallen bewahrt, sie 2013 zurück in die Regierungsverantwortung geführt, SPD-Kernthemen in reale Politik umgesetzt – etwa den Mindestlohn –, aber auch die notwendige inhaltliche Führungsstärke gezeigt, wo die Sozialdemokraten Antworten auf der Höhe der Zeit geben mussten, wie etwa beim Freihandelsabkommen Ceta. Geliebt haben die Genossen ihn aber nie. Das Gefühlsbeben, das Gabriel mit seinem Rückzug zugunsten des Rheinländers ausgelöst hat, zeigt dieses Defizit in seiner ganzen Dimension und ist rein menschlich für ihn nicht leicht zu verkraften.

Schulz hat nun freie Hand. Unbeteiligt an jedem sozialdemokratischen Regierungshandeln der letzten 19 Jahre kann er sich die Rosinen herauspicken: SPD-Erfolge für seine Partei reklamieren und gleichzeitig Pflaster auf die Agenda-Wunden legen. Wie sieht das Unions-Rezept dagegen aus?

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