Zum TV-Duell Seehofer - Ude

Merkur-Kommentar: Bayerns Beste

München - Lesen Sie hier den Kommentar des stellvertretenden Chefredakteurs, Georg Anastasiadis, zum TV-Duell Horst Seehofer gegen Christian Ude:

Bayern kann es besser: Das gilt, wie wir seit gestern wissen, sogar für TV-Duelle. Einen rasanten Schlagabtausch lieferten sich die beiden Spitzenkandidaten für das Ministerpräsidentenamt im Bayerischen Fernsehen – mit einem unerschrockenen Angreifer Christian Ude und einem konzentrierten Verteidiger Horst Seehofer, dem die Anspannung aber durchaus anzusehen war. Wer sich auf Kostproben schlitzohrigen Charmes à la Seehofer gefreut hatte, wartete eine gute Stunde lang vergebens: Schon das darf Ude als Kompliment für sich verbuchen. Einen echten „Wirkungstreffer“ aber konnte der Münchner Oberbürgermeister trotz Vorteilen in den Debatten um Maut und G 8 nicht landen. Genau den hätte er aber gebraucht, um die CSU kurz vor der Ziellinie zur (Allein-)Herrschaft noch einmal ins Straucheln zu bringen.

Klar wurde gestern auch: Da stehen sich zwei Schwergewichte gegenüber, das Beste, was Politik in Bayern derzeit zu bieten hat. Beide verließen die Arena als Gewinner. Verlierer des Duells waren andere: CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt etwa, der Ude unlängst noch als „menschlich nicht geeignet“ für hohe Staatsämter bezeichnet hatte. Was für ein Unfug! Hinter Seehofer klaffen in der CSU Lücken, die die Partei in den kommenden fünf Jahren erst noch schließen muss.

Den 65-jährigen Ude muss das alles nicht mehr kümmern. Der Herausforderer wird die Wahlarena am 15. September zwar aller Voraussicht nach als Geschlagener verlassen – aber dem Ruhestand kann er nach einer großen Karriere erhobenen Hauptes entgegenschreiten. Anlass für kritische Selbstbetrachtungen hat dagegen die SPD: Sie muss sich fragen, wo sie heute ohne Ude in den Umfragen stünde, wenn sie selbst mit ihm kaum noch an die 20 Prozent heranreicht. Die weiß-blaue Sozialdemokratie hat allen Grund, nach dem bayerischen Wahlsonntag ihr dann noch verbliebenes Spitzenpersonal – inclusive Parteichef – einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Georg Anastasiadis

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