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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Auch CSU München fordert jetzt personellen Neuanfang

Kommentar des Merkur-Chefredakteurs: Seehofers Zeit läuft ab

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Es brennt an allen Ecken und Enden in der CSU. Der Aufstand gegen eine erneute Kandidatur Horst Seehofers zum Ministerpräsidenten hat nach Franken und der Oberpfalz jetzt auch die Landeshauptstadt München erfasst. Doch Seehofers Problem heißt nicht Söder. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Zweieinhalb Wochen nach der verlorenen Wahl ist in Bayern die Jagdsaison offiziell eröffnet. Nach Oberfranken und der Oberpfalz fordert mit München nun schon der dritte (von zehn) CSU-Bezirken mehrheitlich Seehofers Rückzug. Dessen Vize-Generalsekretär Markus Blume verurteilt die Attacke „aus dem Hinterhalt“. Doch richtig ist: Gerade Schüsse aus dem Hinterhalt treffen ihr Opfer oft tödlich.

Bayern steuert auf den finalen Akt eines großen Dramas zu, für das Peter Gauweiler die Überschrift schon geschrieben hat: „Horst, es ist Zeit.“ Und das ist nicht nur das Werk des ungeduldigen Kronprinzen Markus Söder und seiner Kamarilla. Zur Wahrheit gehört auch: Seehofers Glaubwürdigkeit ist nach dem Hin und Her in der Asylfrage massiv und irreparabel beschädigt. Dasselbe gilt für seinen Nimbus der strategischen Überlegenheit: Der in vielen Schlachten erprobte Feldherr, der andere gern als Westentaschen-Strategen verspottete, hat seine Partei in eine vernichtende Niederlage geführt. Warum sollten Partei (und Wähler) ihm noch einmal folgen? Dem kantigen Söder trauen viele das zu, was Seehofer nur versprochen hat: die AfD kleinzuhalten. Dass der alte Haudegen der Kanzlerin noch einmal einen respektablen Kompromiss zur Obergrenze abhandeln konnte, heilt, anders als von Seehofer und manchen Parteigranden erhofft, die Verletzungen nicht: Das Murren hört nicht auf. Und indem er Söder, den Mann, in den die Basis ihre Zukunftshoffnungen setzt, aus den Sondierungen für Berlin fernhalten will, reißt er neue Wunden auf.

Denn die Partei hat das zu Recht als Absage an jede wie auch immer geartete Verständigung mit dem Rivalen verstanden. Da war die Kanzlerin klüger: Ihre Entscheidung, den Kritiker Jens Spahn in das Jamaika-Verhandlungsteam aufzunehmen, verrät Größe und war die Friedensgeste, auf die man in der CDU gewartet hatte. Noch bleibt den CSU-Kontrahenten ein kleines Zeitfenster, versäumte Absprachen für den Übergang nachzuholen. Klar ist aber auch: Entschließen sich die CSU-Nashörner Seehofer und Söder in den Kampf zu ziehen, kann dieser nur mit einem Pyrrhussieg enden. Gewinnt Söder, übernimmt er eine niedergetrampelte Partei. Siegt Seehofer, annulliert er spätestens bei der Landtagswahl 2018 seine historische Leistung, die Partei 2013 nochmal zur absoluten Mehrheit zurückgeführt zu haben. Der Verlierer heißt in jedem Fall CSU.

Von Georg Anastasiadis.

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