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MM-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

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MH17-Bericht belastet den Kreml schwer: Putins hybrider Krieg

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München - Mit seinem hybriden Krieg will Putin in der Heimat die Reihen schließen und Zwietracht in die Gesellschaften des Westens tragen. Der Menschenverächter im Kreml ist leider weit gekommen.

Wer trägt die Schuld an dem Unglück, das verzweifelte Hinterbliebene den „größten Massenmord an EU-Bürgern seit dem II. Weltkrieg“ nennen? Das internationale Ermittlerteam zum Abschuss von MH17 über der Ostukraine antwortet darauf mit einer Faktensammlung, die Russlands Präsidenten Putin gar nicht gefallen dürfte: Demnach wurde der Jet mit 298 Menschen von einer Buk-Flugabwehrrakete russischer Herstellung vom Himmel geholt – und diese wurde von einem von ukrainischen Rebellen kontrollierten Gebiet aus abgefeuert, womöglich sogar von einer russischen Bedienmannschaft, worauf der Rücktransport des Flugabwehrgeschützes nach Russland hinweist. Das sind erdrückende Indizien, die kaum noch Zweifel an der (Mit-)Täterschaft Russlands lassen.

Dass Moskau den Bericht mit wütenden Tiraden beantworten würde, war absehbar. Die Reaktion aus dem Kreml folgt exakt den im Ukraine- und Syrien-Konflikt erprobten Regeln von Putins hybrider Kriegsführung. Deren schärfste Waffe ist nicht die Feuerkraft von Panzern und Raketen, sondern die Desinformation. Jeder Vorwurf, und sei er noch so eindeutig belegt, wird in Zweifel gezogen und mit wilden Verschwörungstheorien gekontert, für deren Vervielfältigung im Internet ganze Armeen von (teils bezahlten) Trollen bereitstehen. So war das schon bei der Annexion der Krim durch Putins berühmte „kleine, grüne Männchen“, Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, aber generalstabsmäßigem Vorgehen. Und so ist es in Syrien, wo Putin unter dem propagandistischen Vorwand, den IS ausrotten zu wollen, in einen erbarmungslosen Krieg zog – für den Schlächter Assad und gegen die Zivilbevölkerung von Aleppo.

Mit seinem hybriden Krieg will Putin in der Heimat die Reihen schließen und Zwietracht in die Gesellschaften des Westens tragen. Sieht man sich die Gleichgültigkeit an, mit der die deutsche Öffentlichkeit heute Russlands Morden in Syrien zur Kenntnis nimmt, und die Sympathie vieler Anhänger von Linkspartei und AfD für die Zerstörung der Ukraine, dann muss man anerkennen: Der Menschenverächter im Kreml ist leider weit gekommen. Die CSU sollte endlich aufhören, diesen Mann zu hofieren.

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