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Mike Schier.

Nach den Landtagswahlen

Kommentar: Blindes Vertrauen in Führungspersonen steigt

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Die Landtagswahlen in drei Bundesländern haben gezeigt: Die Bindung der Wähler an einzelne Parteien lässt nach. Vielmehr gibt es frei schwebende Wähler, meint Merkur-Redakteur Mike Schier.

Es gehört längst zu den Binsenweisheiten der Politikwissenschaft, dass die Bindung der Wähler an einzelne Parteien nachlässt. Neu dagegen ist eine Dimension, die es in Rheinland-Pfalz binnen weniger Monate zu einer dramatischen Wende kommen lässt oder den Grünen in Baden-Württemberg und der AfD in Sachsen-Anhalt eine nicht für möglich gehaltene Zahl von Direktmandaten beschert. Umso erstaunlicher mutet da an, wie oft die Parteien alte Erklärungsmuster bemühen, die längst ins Leere greifen.

Ja, natürlich: Mit der Flüchtlingsfrage hatten diese Wahlen ein bundespolitisches Überthema. Jene frei schwebenden Wähler, die sonst zur CDU tendieren oder gar nicht zu den Urnen gehen, scheuen sich nicht mehr vor rechten Parteien. Ob dies von Dauer ist, bleibt abzuwarten.

Wer kennt noch die Schill-Partei?

Erinnert sei an Hamburg, wo 2001 Ronald Schill ein lokales Aufreger-Thema zu überraschenden Erfolgen nutzte, um danach ebenso rasch in der Versenkung zu verschwinden. Auch die AfD muss sich erst im parlamentarischen Betrieb beweisen. Und es ist durchaus möglich, dass die zuletzt drastisch gesunkenen Flüchtlingszahlen bald wieder andere politische Fragen in den Fokus rücken lassen.

Doch was bleibt jenseits dieses übergeordneten Themas, das vor allem die unter Merkel weit nach links gerückte CDU schwächte? Allgemein gültige Analysen sind schwieriger: Dem grünen Triumph in Baden-Württemberg stehen Debakel in den anderen Ländern gegenüber. Ähnlich verhält es sich bei der SPD. Auffällig: Wer nicht aus Protest AfD wählte, suchte vor allem glaubwürdige Kandidaten der pragmatischen Mitte. Kretschmann. Dreyer.

Gerade in Zeiten, in denen komplexe Probleme kaum lösbar wirken, gewinnt das blinde Vertrauen in integere Führungsfiguren an Bedeutung. Auf Bundesebene wurde Angela Merkel lange von diesem Bedürfnis nach Verlässlichkeit getragen. Entscheidend für die Union wird bis 2017, ob die Kanzlerin dieses Grundvertrauen wieder aufbauen kann.

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