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Alexander Weber.

Kommentar zu Großbritannien

Mordanschlag auf Cox: Wo der Hass regiert

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Der Kampf um den "Brexit" hat sich zu einer Schlammschlacht entwickelt und tiefe Gräben gezogen. Das beweist das Attentat auf Jo Cox, findet Merkur-Redakteur Alexander Weber.

Das Ringen um das EU-Referendum war von Anfang an kein kühles Abwägen nüchterner Argumente, wie man es den pragmatischen Briten so gerne unterstellt. Mittlerweile hat sich der Kampf um den „Brexit“ aber derart zu einer Schlammschlacht entwickelt und tiefe Gräben durch das Vereinigte Königreich gezogen, dass das Land wohl Jahre brauchen wird, um die aufgerissenen Wunden zu heilen – selbst wenn der EU-Austritt nicht käme und oberflächlich alles beim Alten bliebe.

Wie vergiftet die Stimmung im Land ist, zeigt das schreckliche Attentat auf die junge Labour-Politikerin, zweifache Mutter und Europa-Befürworterin Jo Cox. Noch ist unklar, ob der feige Mordanschlag unmittelbar auf die EU-Kampagne zurückzuführen ist oder generell auf die Verachtung des offenbar in rechtsextremen Kreisen beheimateten Täters für die liberale, weltoffene Geisteshaltung der Politikerin. Erschreckend sind der Hass, der hier zu Tage tritt, und die Enthemmung, in der das Leben eines Andersdenkenden offenbar nichts mehr wert scheint. Und das gilt nicht nur für die Musterdemokratie Britanniens.

In unsere scheinbar so zivilisierte westliche Welt ist ein Maß an Verrohung eingekehrt, die sich nicht nur auf den Terror islamistischer Fanatiker beschränkt. Der unflätige Verbalradikalismus jeglicher Couleur im Internet zeigt, wie tief das Gift des Hasses bereits in unseren Alltag eingeträufelt ist. Und immer öfter folgt der Wortgewalt die blutige Tat. Der Tod von Jo Cox beeinflusst vielleicht kurzfristig den Lauf der britischen Geschichte. Aber reicht der Schock aus, die Spirale des Ungeistes anzuhalten?

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