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MM-Redakteur Mike Schier.

Nach dem Anschlag von Berlin

Kommentar: Fahndung mit Pannen

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Nach dem Anschlag von Berlin kommen so einige Fahndungspannen ans Licht. Auch wenn noch kein abschließendes Urteil möglich ist, darf man den Finger doch in einige Wunden legen - und kritische Fragen stellen. 

Man stelle sich vor: Der Amokläufer von München hätte sich im Juli nicht binnen Stunden selbst gerichtet, sondern wäre 48 Stunden nach seiner Tat noch bewaffnet herumgelaufen. Das schockierte München hätte sich vermutlich länger hinter verschlossenen Jalousien versteckt, womöglich wäre die U-Bahn noch weitere Tage nicht gefahren. Ganz sicher aber hätte die bayerische Polizei mit einem gigantischen Aufgebot die Stadt durchkämmt.

Dieses Gedankenspiel kommt einem in den Sinn, wenn man nun die Fahndung nach dem flüchtigen Terroristen verfolgt, selbst wenn München und Berlin schwer zu vergleichen sind. Es wird etwas dauern, bis die Arbeit der Behörden in dieser Ausnahmesituation abschließend bewertet werden kann. Doch zum jetzigen Zeitpunkt darf man zumindest den Finger in ein paar Wunden legen: 

Die Berliner Polizei gab schon kurz nach dem schrecklichen Attentat am Montagabend Entwarnung, weil sie mit einem Pakistani den vermeintlichen Attentäter geschnappt zu haben glaubte. „Man muss keine Angst haben“, versicherte der Regierende Bürgermeister Michael Müller noch am Dienstagmorgen, als es schon massive Zweifel an der Schuld des Mannes gab. Am Mittag gab Müller dann mit der Polizei eine Pressekonferenz, bei der diese Zweifel erst nach einer halben Stunde und auf Nachfrage bestätigt wurden. Ab Mitternacht suchte man schließlich einen tunesischen Salafisten mit einer einschlägigen Gefährder-Vorgeschichte. Die Bevölkerung erfuhr davon einen halben Tag später – und gleich auch noch von der bevorstehenden Razzia. Wegen Schreibfehlern in den Durchsuchungsbeschlüssen kamen Journalisten vor der Polizei.

Schon klar: Die Fahnder arbeiten unter extremen Bedingungen. Und richtig ist auch, dass Behörden die Angst nicht schüren, sondern deeskalieren sollen. Doch entscheidend für das Sicherheitsgefühl der Bürger ist nicht, ob Politiker möglichst viel Gelassenheit vortäuschen. Entscheidend ist die Effektivität der Sicherheitsbehörden. Und egal, wie groß die Schuld des Tunesiers Anis Amri am Anschlag schließlich war: Die Details seiner Geschichte, die am Mittwoch durchsickerten, und die Fahndung werfen massive Zweifel an dieser Effektivität auf.

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