+
Von den Delegierten gefeiert: Markus Söder nach seiner Rede auf dem Parteitag der Schwesterpartei CDU.

Kommentar

Nach dem CDU-Parteitag: Ein irrtierend stabiles Vakuum

  • schließen

Markus Söder wurde für seine Rede auf dem CDU-Parteitag gefeiert. Doch der CSU-Chef hat gute Gründe, alle Avancen in der K-Frage bis auf weiteres abzulehnen. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.

Nach einem Parteitag gibt es selten wie im Boxring Sieger und Besiegte. Auch aus dem Leipziger CDU-Treffen taumelt keiner mit Veilchen raus. Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich als Parteivorsitzende stabilisiert. Es war clever von ihr, am Ende der ellenlangen Grundsatzrede plötzlich die Vertrauensfrage zu stellen. Nach wochenlangen „Die kann’s nicht“-Chören hat die Chefin ihre CDU überrascht. Das lehrt, dass man Kramp-Karrenbauer zumindest nicht hemmungslos unterschätzen sollte.

Ausgerechnet Söder gibt der CDU ein Stück Orientierung

Was sich allerdings seriös nicht ablesen lässt, ist die Antwort auf die K-Frage. Wer wird die Union in die nächste Wahl führen? Es geht um eine Richtungsentscheidung für die Bundesrepublik, doch auch nach Leipzig ist die Entscheidung absolut offen. Keiner aus der Riege Kramp-Karrenbauer, Spahn, Merz, Laschet hat sich disqualifiziert, keiner groß hervorgetan. Die beste Rede hält ein Fremdling, der Chef der einst renitenten Schwesterpartei CSU: Mit einer Leichtigkeit, die der bleiernen CDU derzeit abgeht, begeistert Markus Söder den Saal. Ausgerechnet er gibt der CDU ein Stück Orientierung, wo Freund, Feind und Gegner zu suchen sind.

Christian Deutschländer, Leiter der Politik-Redaktion des Münchner Merkur. 

Söder wird die nächsten Wochen absehbar wieder zum Kanzlerkandidaten hochgeschrieben werden (oft vergiftet, selten aus Wohlwollen). Er hat gute Gründe, weiterhin vor 2024/25 alle Avancen abzulehnen. Für die Union heißt das, dass ihr K-Vakuum anhalten wird. Vielleicht sogar bis 2021. Falls nämlich diese Koalition nicht in Kürze an der SPD scheitert, schließt sich das Zeitfenster für einen Wechsel sehr schnell. Zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft nächstes Jahr wird man Stürze und Neuwahlen meiden. Aus der Leipziger Halle durfte eine Dame deshalb völlig kampflos und vielleicht am zufriedensten von allen abreisen: die ewige Kanzlerin Merkel.

Lesen Sie auch: SPD-Spitzenkandidat Walter-Borjans schießt gegen Koalitionspartner: CDU betreibt "Politik zum Abgewöhnen"

und: CDU-Parteitag: Söder begeistert Delegierte - und ist jetzt aussichtsreich im K-Rennen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schlimme Prognose zum Klimawandel: Ein Land besonders betroffen - tödliche Hitzewellen 
Die Unternehmensberatung McKinsey zeichnet mit einer neuen Studie zu den Folgen des Klimawandels ein düsteres Zukunftsbild. Ein Land ist durch die Erderwärmung besonders …
Schlimme Prognose zum Klimawandel: Ein Land besonders betroffen - tödliche Hitzewellen 
Organspende: „Todesurteil“ und „schwarzer Tag“ - Ärzte reagieren teils heftig auf neues Gesetz
Der Bundestag hat am Donnerstag über ein neues Organspende-Gesetz entschieden. Für die Patienten und alle Bundesbürger ändert sich nun einiges.
Organspende: „Todesurteil“ und „schwarzer Tag“ - Ärzte reagieren teils heftig auf neues Gesetz
Wegen Brexit: CSU-Kandidat wird von der Liste zur Stadtratswahl gestrichen
Das britische Unterhaus hat Anfang Januar über das Brexit-Abkommen entscheiden. Sogar auf die bayerische Kommunalwahl hat diese Entscheidung Einfluss.
Wegen Brexit: CSU-Kandidat wird von der Liste zur Stadtratswahl gestrichen
„Fahrräder unpraktisch und gefährlich“: AfD-Politiker wird nach Rede veralbert - schockierte Reaktionen
Fahrräder erobern die Innenstädte und drängen Autos aus den Zentren. Das findet Dirk Spaniel skandalös. Und so handelt sich der AfD-Politiker mit einer Rede im Bundestag …
„Fahrräder unpraktisch und gefährlich“: AfD-Politiker wird nach Rede veralbert - schockierte Reaktionen

Kommentare