Politik-Redakteur Christian Deutschländer.

Rede des EU-Kommissars

Kommentar: Oettingers rätselhafte Aussetzer

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München - Günther Oettinger hat sich mit seiner Rede, die ohne sein Wissen gefilmt wurde, dem Spott der Öffentlichkeit ausgesetzt. Mit seinen Sprüchen, findet Merkur-Redakteur Christian Deutschländer, schadet er vor allem einem: Sich selbst.

Über Günther Oettingers matte Altherrenwitze muss sich deutlich weniger aufregen, wer bedenkt: Der Hauptgeschädigte ist der CDU-Politiker selbst. Die Aufregung um die mitgeschnittene Rede in Hamburg überschattet exakt seine Beförderung zum EU-Haushaltskommissar. Doofer könnte es für ihn nicht laufen: Jetzt reden alle über „Schlitzaugen“ und „Homo-Pflicht-Ehe“ statt über den gewachsenen Einfluss in der Kommission.

Oettinger untermauert damit sein öffentliches Erscheinungsbild als fachlich in Brüssel überforderte Witzfigur, man darf die alten Geschichten über abendliche Aussetzer und Englisch-Pannen wieder hervorkramen. Dabei wird ihm das inhaltlich nicht gerecht. Oettinger mag kein Visionär sein, zumindest tritt er nicht so auf, aber er ist intelligent, fleißig, hochpolitisch und ein guter Verhandler. Der heute 63-Jährige ist nicht als Opa nach Europa geschickt worden, sondern als ein Ministerpräsident, der 2006 in Baden-Württemberg noch um ein Mandat an der absoluten Mehrheit vorbei schrammte. (Damals stellte die CDU noch Ministerpräsidenten.)

Oettinger wird über diese eine Rede wohl nicht stürzen. Die Zweifel wachsen aber, ob er über 2019 hinaus ein deutsches Gesicht Europas bleiben sollte. Schritt für Schritt rücken in Brüssel andere dafür in den Vordergrund, Herren wie Martin Schulz (SPD), Manfred Weber (CSU) oder David McAllister (CDU). Sie kombinieren viele von Oettingers guten Eigenschaften mit einem Vorteil: Sie haben ihre öffentlichen Auftritte im Griff.

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