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Kommentiert die Entlassung von Kardinal Müller durch den Papst: Claudia Möllers, Leiterin der Bayernredaktion beim Merkur.

Franziskus löst Glaubenswächter Müller ab

Kommentar: Päpstlicher als der Papst

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Der Papst hat den deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller entlassen. Franziskus zeigt damit Stärke, denn der frühere Regensburger Bischof hat immer wieder gegen den offeneren Kurs der Papstes Stimmung gemacht. 

München - Oft dauert es Jahrzehnte, bis sich in der katholischen Kirche etwas bewegt. In den vergangenen Tagen aber wehte ein regelrechter Wirbelsturm durch den Vatikan. Papst Franziskus greift durch. Zunächst zog er am Donnerstag, wenn auch verspätet, mit der Beurlaubung seines wegen Missbrauchsvorwürfen angeklagten obersten Finanzchefs Kardinal George Pell die Reißleine. Zwei Tage später ein Paukenschlag: Franziskus schickt den obersten Wächter der Glaubenslehre, den deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, in die Wüste.

Papst Franziskus greift durch: Hardliner Müller muss gehen

Berufen noch von Papst Benedikt XVI., dessen Nachfolger er auch als Leiter der Glaubenskongregation war, fühlte sich der frühere Regensburger Bischof ganz sicher im Sattel. Nach der Wahl von Papst Franziskus hatte sich aber rasch angedeutet, dass die Vorstellungen der beiden vom künftigen Weg der Kirche in völlig unterschiedliche Richtungen führen. Immer wieder stellte sich der Deutsche gegen die Versuche des Papstes, die Kirche für mehr Barmherzigkeit – etwa, dass wieder verheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion gehen können – zu öffnen. Der Dogmatiker Müller beharrte auf der alten Lehre, gerierte sich päpstlicher als der Papst und hielt Franziskus vor, auch ein Papst könne die durch Jesus verkündete Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe nicht verändern.

Franziskus hat sich des Kritikers auf elegante Weise entledigt. Müllers fünfjährige Amtszeit lief aus. Der „Vertrag“ wurde einfach nicht verlängert. Damit vermeidet der Papst eine Konfrontation mit Müllers Förderer Benedikt. Gleichzeitig macht er klar, dass es ihm ernst ist mit seinen Reformen. Müllers Nachfolger, der spanische Jesuit Luis Francisco Ladaria Ferrer, gilt als gemäßigt konservativ. Müller gehört zu den Kurienmitgliedern, die dachten, sie könnten Franziskus und seine neuen Ideen aussitzen. Wenn der Papst auch andere Kongregationen jeweils nach fünf Jahren neu besetzt, wird sich viel bewegen im Vatikan.

Claudia Möllers

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