In der Türkei

Kommentar: Protestmarsch wird zu Erdogans Problem

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Präsident Erdogan nimmt den Protestmarsch der Opposition in der Türkei ernst. Aber wie viele Leute sind bereit, auf die Straße zu gehen? Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Sebastian Horsch.

Der türkische Präsident zeigt sich gereizt. Nicht allein, weil ein paar tausend Menschen in einem „Gerechtigkeitsmarsch“ zu Fuß von Ankara nach Istanbul unterwegs sind. Mit so etwas lässt sich als Alleinherrscher noch leben. Erdogan dürfte vielmehr Sorge haben, was sich entwickeln könnte, wenn die Demonstranten am Sonntag in der Metropole eintreffen. Der Präsident muss die Ausweitung zum Massenprotest fürchten.

Tatsächlich schließen sich Tag für Tag mehr Menschen dem Marsch an. Weil er Versorgungsprobleme fürchtet, hat Initiator Kemal Kilicdaroglu bereits dazu aufgerufen, stattdessen besser am Sonntag zur Kundgebung nach Istanbul zu kommen. Zudem ist die weltweit wachsende Aufmerksamkeit ein Problem für Erdogan. Sie ist bereits zu groß, um Kilicdaroglu noch gewaltsam aufzuhalten, ohne ihn damit zum Helden zu machen.

Anfangs hatte Erdogan den Marsch noch verspottet. Dass er die Teilnehmer nun in die Nähe von Terroristen rückt und mit Folgen droht, zeigt, wie ernst er die Gefahr nimmt. Der Präsident weiß, dass fast die Hälfte seines Volkes gegen die exorbitante Ausweitung seiner Macht gestimmt hat. Die Frage lautet: Wie viele sind auch bereit, gegen ihn auf die Straße zu gehen?

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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