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MM-Redakteur Lorenz von Stackelberg.

Kremlchef gewährt den Medien Audienz

Putin malt sich die Welt

München - Der russische Präsident Wladimir Putin lenkt den Blick auf äußere Probleme, die mehr oder minder selbst verschuldet sind. Eine dreiste Strategie - die leider Erfolg verspricht. Ein Kommentar von Lorenz von Stackelberg.

Was tut der Führer eines autoritär regierten Landes, das eine schwere Wirtschaftskrise durchmacht? Er dekretiert, das Schlimmste sei überstanden. Und lenkt sodann zügig den Blick des Publikums auf äußere Probleme. Davon hat Russland derzeit eine ganze Menge. Dass sie mehr oder minder selbst verschuldet sind, sagt der Kremlchef seinen Landsleuten natürlich nicht.

Etwa das Syrien-Abenteuer, mit dem Putin angeblich die Welt ein Stück vom Terror befreien will – statt russische Einflusszonen abzustecken und dabei einen brutalen Diktator zu protegieren. Oder der kühl kalkulierte Streit mit der Türkei, die sich natürlich nicht gegen fortgesetzte Provokationen zur Wehr gesetzt hat, sondern – auf Anstiftung der USA! – Jagd auf arglose russische Piloten macht. Nicht zu vergessen die Ost-Ukraine, wo Moskau nichts anderes im Sinn hat, als endlich Frieden für die Menschen zu schaffen. Die Welt, wie sie sich der Autokrat Putin malt.

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Leider verspricht diese dreiste Strategie Erfolg. Das wichtigste Ziel, den Stammplatz am Tisch der Weltenlenker, hat der Kremlchef ohnehin schon erreicht: Weil es in Syrien ohne Russlands Mitwirkung keine Lösung geben wird. Je stärker wiederum die maßgeblich von Syrien befeuerte Flüchtlingskrise die Gemüter der Europäer erhitzt, desto schneller dürfte der Ukraine-Konflikt zum lästigen Hindernis für eine Verständigung mit Moskau zusammenschnurren. Europa steht vor einem gefährlich abschüssigen Pfad. An den Sanktionen wird sich zeigen, ob es die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg gelernt hat.

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