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MM-Redakteur Mike Schier. 

Russland, Syrien und der Westen

Kommentar: Die neue Weltunordnung

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Es ist fast zynisch: Jetzt – nach monatelanger Belagerung und Bombardierung von Aleppo, die schließlich im Fall der einstmals größten Stadt Syriens mündeten – einigt sich der UN-Sicherheitsrat auf eine Beobachtermission.

Sie soll wenigstens die seit Tagen stockende Evakuierung überwachen. Als dort zuvor das Völkerrecht mit Füßen getreten wurde, hatten Wladimir Putin und sein Scherge Baschar al-Assad das als Weltregierung gedachte Gremium einmal mehr als machtlose Quasselbude entlarvt.

Es ist zwar keine neue Erkenntnis, dass der Sicherheitsrat rasch handlungsunfähig wird, wenn seine ständigen Mitglieder widerstreitende Interessen vertreten. Ungewöhnlich mutet jedoch an, welch kleine Rolle die USA bei der Lösung der syrischen Tragödie nur noch spielen. Dem frustrierten Barack Obama verbleiben noch wenige Tage im Amt, sein außenpolitisch wenig interessierter Nachfolger Donald Trump hat bereits eine isolationistisch geprägte Außenpolitik angekündigt. In diese Lücke stößt nun der russische Außenminister Sergej Lawrow, wenn er für heute die Staaten nach Moskau lädt, die seiner Meinung nach „realen Einfluss“ auf die Lage in Syrien haben: den Iran und die Türken. Die USA – und auch Europa – sollen im zentralen Konflikt des Nahen Ostens auf die Zuschauerbank verbannt werden. Die zuletzt stark verschärfte Rhetorik von Obama, Merkel oder Hollande scheint die Russen wenig zu beeindrucken.

Ob der Plan aufgeht? Moskau begibt sich mitten in die Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten, Türken und Kurden. Das Risiko ist groß, wie die Ermordung des russischen Botschafters in Ankara zeigt. Die schon vorher schwierigen Beziehungen beider Länder werden durch diese Tat nur noch komplizierter.

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