Vorwahl in Frankreich

Kommentar: Sarkozy contra Juppé

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München - Bei der Präsidentenwahl in Frankreich geht es nicht nur um Frankreich, sondern auch um die EU. Unserem Nachbarland drohen wieder einmal schwere Unruhen. Ein Kommentar von Werner Menner.

Lautstarke Auftritte, gespickt mit massiven Internierungs-Drohungen gegen vermeintliche Islamisten und Attacken gegen so manchen Franzosen mit Migrationshintergrund, sind eine Spezialität des Nicolas Sarkozy. Er spielt gekonnt mit den Sorgen und Ängsten vieler seiner Landsleute und fischt so gezielt im Lager der rechtsextremen Marine Le Pen – die wie der Republikaner Sarkozy den Sozialisten Hollande im Elysée-Palast vor die Tür setzen will.

Nun geht es bei der Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr aber nicht nur um Frankreich, sondern auch um die Zukunft der EU. Kann sich Sarkozy innerparteilich durchsetzen, wird er Frankreichs Gesellschaft noch tiefer spalten. Frankreich drohen wieder einmal schwere Unruhen. Gewinnt Le Pen, wird das gesamte Land politisch abdriften. Ein Referendum über den EU-Austritt dürfte folgen.

Es hat fast schon etwas Beruhigendes, dass die Franzosen – zumindest in Umfragen – aus den Reihen der Republikaner Alain Juppé favorisieren. Dessen Weste ist so wenig lupenrein wie die Sarkozys. Aber er gilt als gemäßigt, er will kein „französisches Guantánamo“ und er verfügt über wirtschaftliche Kompetenz. Also über das, woran es Hollande, Le Pen und Sarkozy mangelt. Wenn Juppé sich bei der heutigen TV-Debatte keine Fehler erlaubt, sollte er die parteiinterne Vorwahl im November gewinnen, „Sarko“ bald Geschichte sein. Juppé käme der Erfüllung seines Lebenstraums nahe – und Deutschland könnte aufatmen.

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