Der Brexit-Poker beginnt

Kommentar: Scheidung mit Augenmaß

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Der Exit-Brief aus London ist in Brüssel eingetroffen, jetzt wird es Ernst mit der historischen Premiere, dass erstmals ein EU-Mitglied die Union verlassen wird. Doch sowohl im Europaviertel der belgischen Hauptstadt als auch in den Mitgliedsländern wird noch immer um die richtige Linie bei den Verhandlungen mit London gestritten. Ein Kommentar von Alexander Weber.

Manche wetzen sprichwörtlich die Messer: Sie plädieren dafür, an den Briten ein Exempel zu statuieren, um zu beweisen, dass ein EU-Austritt eine Trophäe für Populisten, aber ein Pyrrhus-Sieg für die Nation ist. Potenzielle Nachahmer also maximal abzuschrecken.

Die EU-Verhandler sind gut beraten, solchen politischen Racheengeln nicht zu folgen. Denn letztlich legen diese Hardliner die Axt an jenen Baum, von dessen Früchten auch viele Kontinentaleuropäer profitieren. Deutschland etwa. Waren im Wert von 14,9 Milliarden Euro werden pro Jahr allein aus Bayern auf die Insel exportiert, 125.000 Jobs im Freistaat hängen von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Großbritannien ab. Umgekehrt ist der Nutzen ebenfalls groß. Soll das alles mit einem Federstrich zu Ende gehen? Das wäre verrückt.

Es liegt in der Logik des Brexits, dass die Beziehungen des (noch) Vereinten Königreichs mit der EU nach der Scheidung nicht mehr so eng und barrierefrei sein werden wie heute. Aber eine Politik der verbrannten Erde hilft niemandem. Vor allem nicht jenen EU-Bürgern auf der Insel bzw. Briten auf dem Kontinent, denen mit dem Brexit quasi der Boden unter den Füßen wegzubrechen droht.

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