+
MM-Redakteur Alexander Weber.

Heißes Herz und kühler Kopf

Kommentar: Schottland plant zweites Referendum

  • schließen

Die Probleme für Premierministerin Theresa May beim Thema Brexit reißen nicht ab. Schottland will ein zweites Referendum über eine Unabhängigkeit von London abhalten. 

Noch bevor Mays Scheidungsbrief mit der EU in Brüssel eingegangen ist, schlägt in Westminster die Kampfansage aus den schottischen Highlands hohe Wellen: Regierungschefin Sturgeon will der drohenden Amputation von der Europäischen Union nicht tatenlos zusehen und deshalb die Schotten vor 2019 zu einem zweiten Referendum über die Unabhängigkeit von London an die Urnen rufen. Ein erwartbarer, wenn auch riskanter Schritt.

Die Frage ist spekulativ, aber naheliegend: Ob die Schotten beim Referendum 2014 auch mit 55 Prozent gegen die Loslösung von Großbritannien gestimmt hätten, wenn das Pro-Brexit-Votum 2016 absehbar gewesen wäre? Jedenfalls treibt die europafreundlichen Highlander – 62 % stimmten für den Verbleib in der EU – die Angst um, statt Teil des größten Binnenmarktes der Erde bald nur noch fremdgesteuerter, nördlicher Zipfel einer sich selbst isolierenden Insel zu sein. Insofern ist ein neues Referendum angesichts der neuen Rahmenbedingungen ein logischer Schritt.

Gleichzeitig ist die Ökonomie die Achillesferse Edinburghs: Schottlands Exporte gehen zum größten Teil nach England. Und der Ölpreis ist derzeit so niedrig, dass sich die Frage aufdrängt, ob man sich die Unabhängigkeit überhaupt leisten könnte? Die „Bravehearts“ brauchen also nicht nur Mut, sondern auch einen kühlen Kopf.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die Grünen suchen ihre Zukunft in Berlin
Die Grünen treffen sich am Wochenende zum Parteitag in Berlin. Nach dem Jamaika-Knall steuert die Partei vorerst ins Unbekannte. Personalfragen stehen an, doch noch ist …
Die Grünen suchen ihre Zukunft in Berlin
Simbabwes neuer Präsident Mnangagwa wird vereidigt
Bis zu den für 2018 geplanten Wahlen soll Mnangagwa das Land mindestens führen. Heute wird der Nachfolger von Simbabwes Langzeitpräsident Mugabe öffentlich vereidigt.
Simbabwes neuer Präsident Mnangagwa wird vereidigt
Schulz in Not - Muss der SPD-Parteichef gehen?
Es brennt in der SPD: Die Partei quält sich mit der Frage nach einer Großen Koalition. Zwischen Fraktion und Partei klafft ein Riss. Den Tag über schwirren Gerüchte …
Schulz in Not - Muss der SPD-Parteichef gehen?
Maas: „SPD kann sich nicht wie trotziges Kind verhalten“
Noch immer streiten die Parteien, wer der Schuldige für das Scheitern von Jamaika ist - unterdessen könnte eine bereits abgeschriebene Lösung wieder aktuell werden. Alle …
Maas: „SPD kann sich nicht wie trotziges Kind verhalten“

Kommentare