Die Bayern-SPD und der Hype

Kommentar: Martin Schulz braucht den Freistaat

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Martin Schulz beschert der SPD ein Umfragehoch, plötzlich scheint ein Triumph bei der Bundestagswahl zumindest möglich. Warum der Kanzlerkandidat den Freistaat dafür braucht: ein Kommentar von Mike Schier.

Eine solche Eruption binnen einer Woche hat es länger nicht gegeben: Inzwischen existieren gleich mehrere Umfragen, die der SPD einen Sprung von fünf Prozentpunkten in den Umfragen bescheinigen. Die Personalie Schulz setzt offenbar nicht nur an der eigenen Basis Emotionen frei. Von allen Seiten scheinen verprellte Anhänger und Merkel-Überdrüssige zur SPD (zurück) zu kommen. In dieser Dimension überrascht das selbst die Genossen – auch wenn jeder Euphorie die Ernüchterung folgt.

Die Bayern-SPD, zuletzt bei düsteren 14 Prozent verortet, setzt der Rausch auf Bundesebene zusätzlich unter Druck: Am Wochenende will sich der Landesvorstand mit der personellen Zukunft beschäftigen – und wer das Schulz-Erwachen sieht, der weiß, dass diese unmöglich weiter Florian Pronold heißen kann. Der immer noch erst 44-Jährige hat den Landesverband zwar solide geführt, aber eben auch zu brav. Der zweitgrößte Landesverband spielt im Bund keine Rolle. Hinzu kommt eine Landesgruppe, über deren Wirken im Bundestag wenig bis nichts nach außen dringt. Charismatische Köpfe? Fehlanzeige. Wenn Schulz im Herbst wirklich gewinnen will, muss er vor allem im Freistaat Bewegung in den Laden bringen.

Die Zahl möglicher Nachfolger für Pronold ist überschaubar. Es gibt keinen elektrisierenden Quereinsteiger à la Schulz. Deshalb muss man eine Methode finden, um die frustrierte Basis wieder an die Funktionäre heranzuführen. Eine Urwahl wäre zumindest eine Möglichkeit, dem neuen Vorsitzenden Rückhalt zu verschaffen. Ansonsten wird der Job zum Himmelfahrtskommando.

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