Innenminister unter Merkel – oder Kanzler?

Kommentar: Seehofer, der schwarze Leuchtturm aus dem Süden

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München - Was macht Horst Seehofer? Möglicherweise ist dem CSU-Chef selbst noch nicht klar, wie er sich am Ende in der Kanzlerkandidatenfrage positionieren wird. Fakt ist: Er hat ein unübersehbares Zeichen gesetzt. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Sollte jemand in Deutschland geglaubt haben, in der Flüchtlingspolitik sei zwischen den zerstrittenen Schwestern CDU und CSU jedes Argument ausgetauscht, jeder Einwand formuliert und jede Drohung ausgesprochen? Dann hätte er den schwerwiegendsten aller Denkfehler begangen – er hätte die Rechnung ohne Horst Seehofer gemacht. Eine laut ausgesprochene Überlegung des bayerischen Ministerpräsidenten – die mögliche Übernahme der CSU-Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2017 – genügte diese Woche, um unterm Berliner Kanzleramt die Erde erbeben zu lassen. Denn so wie’s ausschaut, stehen CDU und CSU über Nacht mit zwei Kanzlerkandidaten da.

Ob es dabei bleibt, ist offen wie so vieles, was Seehofer tut oder lässt. Aber das Signal dürfte auch von politischen Minderbegabungen verstanden werden – erst recht, weil der CSU-Chef die Personalie mit einer weiteren Kampfansage an Merkels „Wir-schaffen-das“-Mantra verknüpft hat. Seehofer, der in den bundesweiten Beliebtheitsumfragen gerade die Ernte einfährt für seine Politik von Recht und Ordnung, die außer den Migranten auch die Bundesbürger in den Blick nimmt, bringt sich damit unübersehbar gegen die taumelnde Kanzlerin in Stellung. Ob er ihr 2017 das Amt abjagen, unter ihr Innen- oder Finanzminister werden oder einfach nur seiner CSU die bestmöglichen Wahlkampfchancen eröffnen will, weiß im Moment vermutlich noch nicht mal er selbst.

Denn beide, Seehofer wie Merkel, sind ab jetzt Gefangene von Ereignissen und Entwicklungen, auf die sie selbst nur noch begrenzt Einfluss nehmen können: die Wahlen zum Berliner Senat und im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW, die Lage an der Terror-Front, ein mögliches Scheitern des Flüchtlingspakts mit der Türkei und ein infolgedessen womöglich erneut anschwellender Flüchtlingsstrom. Letzteres wäre der GAU für die Kanzlerin und ihre CDU, die in diesem Fall ohne das Korrektiv Seehofer gar nicht mehr zur Herbstwahl 2017 anzutreten bräuchten. Was immer passiert – Seehofer, der schwarze Leuchtturm aus dem Süden, blinkt fortan das Lichtzeichen in die verunsicherten CDU-Landesverbände hinein: Ich bin da, wenn ihr mich ruft. Und wenn nicht, dann auch.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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