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Merkur-Redakteur Lorenz von Stackelberg.

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Kommentar: Anschlag in Istanbul - Grausige Botschaft

Religiöse Fanatiker, gewaltbereite Linksextremisten - die Bedrohungslage in der Türkei war stets vorhanden. Umso wichtiger ist es nun, dass die Politik auf den schrecklichen Anschlag in Istanbul richtig reagiert. Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Lorenz von Stackelberg.

Betroffenheit und Entsetzen über den blutigen Selbstmordanschlag von Istanbul können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bedrohungslage allgemein bekannt war. Die Türkei ist, den Glitzerfassaden der Großstädte und der demokratisch legitimierten Macht ihres Staatschefs zum Trotz, ein von politischen und religiös-kulturellen Brüchen geprägtes Land, in dem gewaltbereite Linksextremisten, die separatistische PKK und militant-islamistische Strömungen von innen und außen für latente Terrorgefahr sorgen. Darüber mag der Gewöhnungseffekt an die stereotypen Warnungen vor dem Aufenthalt an bestimmten Orten und der Nähe zu größeren Menschenansammlungen die meisten Türkei-Reisenden hinweggetäuscht haben; jetzt dürfte das allerdings anders werden.

Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob der Attentäter, laut Präsident Erdogan ein Syrer, bewusst deutsche Urlauber ins Visier nahm, oder ob es dem mutmaßlichen IS-Extremisten darum ging, die türkische Regierung dafür zu „strafen“, dass sie sich nach langem Zögern in den Kampf gegen das Killer-Kalifat in Syrien und dem Irak eingeschaltet hat. Die grausige Botschaft wird sowohl in der Türkei als auch in Deutschland ihre Giftwirkung entfalten, denn spätestens jetzt ist unübersehbar, dass das Urlaubsland am Bosporus – ähnlich wie Tunesien oder Ägypten – im engeren Aktionsradius fanatischer Islamisten liegt, die Wirtschaft und Gesellschaft über die Ferienbranche ins Mark treffen wollen. In Tunesien und Ägypten trägt diese Taktik bereits gefährliche Früchte; jetzt dürften auch für die bereits vom Russen-Boykott schwer in Mitleidenschaft gezogene türkische Urlaubsindustrie harte Zeiten anbrechen.

Die Führung in Ankara wird das irrsinnige Attentat auf Urlauber reflexhaft mit einer sicherheitspolitischen Offensive beantworten, die am Ursprung des Übels nichts ändert. Wichtiger wäre es, Erdogan und Kremlchef Putin würden das Blutbad von Istanbul als drastische Mahnung begreifen, alle Kräfte im Kampf gegen den IS zu vereinen.

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