Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur, Kommentar.
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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Großer Katzenjammer in der Union

Kommentar: Söder schießt Laschet und das System Merkel k.o. - mit Merz wäre das der CDU nicht passiert

  • Georg Anastasiadis
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Armin Laschet will noch nicht aufgeben, aber seine Lage ist aussichtslos. Das gilt selbst dann, wenn er als Kanzlerkandidat antritt. In der CDU dämmert es einigen, dass sie bei der Vorsitzendenwahl im Januar aufs falsche Pferd gesetzt haben, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Noch hat Armin Laschet, der Hiob der CDU, nicht zurückgezogen. Noch ist der Bayer Markus Söder nicht Kanzlerkandidat. Noch sprechen sie sich Mut zu in der CDU, ihr geschundener Chef könne, wenn er wolle, immer noch auf Merkels Nachfolge zugreifen. Aber die Wahrheit ist doch: Laschet ist, gleich ob er springt oder nicht, erledigt. Als Kandidat ist er nach der Demontage in der eigenen Bundestagsfraktion kaum noch tragbar – er wäre das personifizierte Eingeständnis der Union, die Bundestagswahl im Herbst bereits jetzt verloren zu geben. Die politischen Gegner bräuchten nur aus dem Wutsturm der Unionsabgeordneten zu zitieren, um die Wähler von Laschets fehlender Eignung zu überzeugen. Doch auch wenn er aufgibt, sind seine Verletzungen zu schwer, um als CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident zu überleben.

In der historischen Fraktionssitzung am Dienstag verglühte nicht nur Laschets politische Zukunft. Es endete unwiderruflich auch das System Merkel, das Regiment der 2B-Führungspersönlichkeiten. In ihren Hinterzimmern beförderten die sogenannten „Granden“ der CDU nicht die Besten, die Charismatischsten, die Kantigsten in Spitzenämter. Sondern die Fügsamsten, die Abgeschliffensten, diejenigen, die Merkels Kreise am wenigsten störten. Die Karliczeks, Altmaiers, AKKs und Laschets. Dass ausgerechnet der Volkstribun Söder das System Merkel stürzt, während er sich fast täglich vor der Kanzlerin verneigt, ist eine besondere Point der Geschichte.

Wenn die CDU ihre Wunden leckt, wenn sie zurückblickt auf vertane Chancen, müssen Merkels traurige Erben erkennen, dass es ein schlimmer Fehler war, mit Friedrich Merz zweimal den Mann abgewiesen zu haben, mit dem Markus Söder sicher nicht Schlitten gefahren wäre. Dann müsste Laschet jetzt nicht über „Schmutzeleien“ aus München jammern. Wer immer die entzweite Union in die Wahlschlacht führen wird, tut es mit einer demoralisierten Truppe. Den Angriff der Grünen auf das Kanzleramt noch abzuwehren, das ist nach diesen Tagen des Zorns in der Union eine schwer lösbare Aufgabe.

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