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YouTuber Rezo. Beifall kriegt, wer, siehe Blogger Rezo, am lautesten schreit oder die beste Show liefert.

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SPD attackiert grüne „Populisten“: Treibhaus Deutschland

  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Wir leben in einer moralisch überhitzten Republik. Die Volksparteien sind jetzt gefordert, generationenübergreifend wieder besser miteinander ins Gespräch zu kommen, meint Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Auf den Überdruss mit der Groko geben die westdeutsche Wohlstandsgesellschaft und das ostdeutsche Wutbürgertum zwei Antworten, die nur auf den ersten Blick gegensätzlicher nicht sein könnten: Der Triumphzug der Grünen im Westen und jener der AfD im Osten sind Ausdruck derselben kulturellen Spaltung, die Deutschland in zwei Teile zerreißt. Hier die Kosmopoliten, die die Vorteile der Globalisierung in vollen Zügen genießen und für die es kein Widerspruch ist, freitags für das Klima zu demonstrieren und samstags nach New York oder Madrid zu jetten. Dort die durch die Digitalisierung aus ihren Gewissheiten Gerissenen, die daheim die Schattenseiten einer Welt ohne Grenzen erleben, mit erheblicher Migration und wachsender Lohn- und Mietkonkurrenz.

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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Grüne, mit ihrer Angst- und Stimmungsmache und dem Versprechen einfacher Antworten auf Flüchtlingskrise und Weltuntergang. Nur wird das den alten Volksparteien wenig nützen: Wir leben in einer moralisch überhitzten Republik, die sich mit Lust in immer neue Hysterien hineinsteigert. Die analoge Zeit des Pragmatismus und des mit Geld zu regelnden Interessensausgleichs zwischen Links und Rechts ist vorbei. Beifall kriegt, wer, siehe Blogger Rezo, am lautesten schreit oder die beste Show liefert. Annegret Kramp-Karrenbauer und Andrea Nahles wirk(t)en in ihrem umständlichen Ringen um abgestufte, allen Teilen der Bevölkerung gerecht werdende Antworten irgendwie unsexy neben den hippen Helden der Generation Internet.

Ob und wie es gelingen kann, generationenübergreifend wieder besser miteinander ins Gespräch zu kommen, ist die Frage, die über das Überleben der Volksparteien entscheiden wird. Das Angebot einer intensiveren Beteiligung der Menschen an innerparteilichen Entscheidungsprozessen wäre, da hat der CSU-Ehrenvorsitzende Stoiber Recht, wenigstens mal ein Anfang.

Sie erreichen den Autor unter Georg.Anastasiadis@merkur.de

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