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Werner Menner.

Blutiger Terror in Istanbul

Kommentar: Die Spirale der Gewalt

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Istanbul - Terrorismus, das ist die grauenvolle Fratze eines mit Heimtücke geführten Kampfes – dessen Opfer zumeist Unbeteiligte sind. Ein Kommentar von Werner Menner.

Er war nicht das erste Mal, dass Istanbul in den Fokus kurdischer Terroristen geraten ist. Und es war mit großer Sicherheit auch nicht das letzte Mal.

Man kann den Terror nicht rechtfertigen. Aber man muss ihn analysieren. Dass eine radikale Kurdengruppe hinter denAnschlägen am Bosporus steckt, dürfte niemanden überraschen. Das Volk der Kurden steht in der Türkei mit dem Rücken zur Wand. Heute mehr denn je. Es ist Erdogans Plänen von einem bis in den letzten Winkel beherrschten Land im Wege (nicht nur wegen der lauten Rufe nach Eigenständigkeit). Also werden die Kurden unter Generalverdacht gestellt und skrupellos bekämpft: Die Immunität der kurdischen Abgeordneten wurde aufgehoben, viele sitzen in Untersuchungshaft, kurdische Organisationen wurden verboten, Bürgermeister gefeuert, Städte und Bezirke unter Zwangsverwaltung gestellt – und Zehntausende wurden zwangsumgesiedelt.

Und dennoch wäre es falsch, die Schuld für die Zustände in der Türkei allein bei Erdogan zu suchen: Auch die Kurdenpartei PKK hat enorm viel dazu beigetragen, die Lage eskalieren zu lassen. Mit den ersten Opfern wurde auch die Vernunft auf beiden Seiten zu Grabe getragen, was bedeutet, dass der Streit (fast ein Bürgerkrieg) friedlich kaum zu lösen sein wird. Im Gegenteil: Erdogan wird auf den Terror von Istanbul mit Härte reagieren, und die Kurden werden mit Anschlägen antworten. Die Spirale dreht sich.

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