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Ein Jahr nach dem Amoklauf: Was wir lernen müssen

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Kein Münchner wird den Amoklauf am OEZ vor einem Jahr vergessen. Merkur-Redakteur Christian Deutschländer überlegt in seinem Kommentar, was wir aus dem Drama gelernt haben - und was wir noch lernen müssen.

Kein Münchner vergisst den Abend des 22. Juli 2016. Der Tag des Amoklaufs hat sich ins Gedächtnis der Stadt eingebrannt. Ein Jahr später – ein Wimpernschlag für Trauernde – ist ein Anlass für die Bevölkerung, innezuhalten für eine nüchterne, mitnichten zynische Frage: Was haben wir gelernt? Was müssen wir noch lernen?

Wir wissen jetzt, dass die Sicherheitsbehörden auf Angriffe in atemberaubender Zeit mit enormem Aufwand an Polizeikräften aus halb Europa reagieren. Eine Überreaktion damals, aber besser als jede Unterreaktion. Wir haben gelernt, dass es nicht klug ist, in unklaren Gefahrenlagen blind der Herde in sozialen Netzwerken zu glauben, die panisch Schießereien aus jedem Viertel meldete. Wir haben vielleicht noch nicht genug gelernt, es nächstes Mal besser zu machen. Es ist ein guter Zug, dass die Politik den Opfern heute ein Denkmal setzt. Es ist kein guter Zug, wie sich die Politik über ein Jahr durch die verquaste Debatte quälte, ob der ausländerhassende Amokläufer rechtsradikal oder sonstwie-radikal war; als wäre hier irgendeine Variante harmloser.

Was in München funktioniert, ist der gesamtgesellschaftliche Ansatz, sich von Terror und Gewalt keine Preisgabe unseres Alltagslebens, keinen Rückzug ins Schneckenhaus diktieren zu lassen – auch wenn irgendwo Bluttaten folgen werden. Mehr Gelassenheit bei weniger Sorglosigkeit: eine Richtschnur, an der sich München nicht immer, aber angenehm häufig orientiert.

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