Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar

Im Kampf gegen Rassismus sind wir alle gefordert

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Die regelrechte Vertreibung eines afrikanisches Pfarrers im Nachbarlandkreis Ebersberg muss auch in Erding aufrütteln. Der Kampf gegen Rassismus braucht viele Mitstreiter und eine öffentliche Meinung, die ihre Worte abwägt. Das meint Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger, in seinem Kommentar zum Wochenende.

Von Erding nach Zorneding sind es knapp über 30 Kilometer. Doch nicht nur die räumliche Nähe gebietet es, sich mit der Eskalation des Rassismus, der in der Flucht eines dunkelhäutigen Pfarrers gipfelte, kritisch auseinander zu setzen. Der Fall zeigt auf entsetzliche Weise: Rassismus ist (wieder) in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und, mindestens genauso schlimm: Er wird öffentlich zur Schau gestellt und ist kein Tabu mehr.

Diese brandgefährliche Entwicklung erfordert erbitterten Widerstand der Bürgergesellschaft. Vor allem Politiker und Medien sind gefordert, ihre Worte noch genauer abzuwägen. Der Fall Zorneding ist auch deswegen so abstoßend, weil den Boden die örtliche CSU bereitet hat – eine gegen Ausländer hetzende Ortsvorsitzende und ein diffamierender Stellvertreter. Sie mussten ihre Ämter abgeben, in der Partei durften sie aber bleiben. Ein fatales Signal, das auch viel über die Partei aussagt,

Wer über Asylbewerber berichtet und dabei Begriffe wie Invasion, Schwemme oder Überfremdung verwendet, der bereitet Rassismus den Boden – im besten Fall nur aus Gedankenlosigkeit. Das gilt für Politiker wie für Journalisten. Denn für Rassisten ist das oft der Boden, in dem sie ihre Saat aufgehen lassen. Wenn Flüchtlinge von offizieller Seite stets als Belastung dargestellt werden, wenn es nur darum geht, Migranten abzuwehren, erzeugt das an der Basis erst Skepsis, dann Ängste und am Ende viel zu oft offene Ablehnung.

Die Hassbotschaften, die man in diesen Tagen etwa auf Facebook liest, machen Angst, denn das Vokabular ist von dem der Nationalsozialisten mitunter nicht mehr weit entfernt.

Es geht nicht darum, die aktuelle Situation in Europa klein- oder schönzureden. Aber zur Debatte gehört auch, die positiven Seiten des Zuzugs zu sehen. Dass das eine enorme Herausforderung ist, hat nie jemand bestritten.

„Nie wieder!“ – Dieser Nachkriegsappell ist auf dramatische Weise wieder aktuell geworden. Dass nur knapp über 30 Kilometer von uns entfernt ein Farbiger unter anderem mit Morddrohungen aus dem Dorf getrieben wurden, ist beschämend und beängstigend. Rassismus hat nur dann keine Chance, wenn er auf breiter gesellschaftlicher Front bekämpft wird. Dabei ist jeder Einzelne von uns gefordert.

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