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Merkur-Redakteurin Christine Ulrich.

Mutter durfte nicht in Tram einsteigen

Kommentar: Die MVG muss handeln - die Fahrgäste auch

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Eine Mutter, die in München mit ihren Kindern aus der Tram geworfen wurde, weil sie einen Fahrradanhänger dabei hatte: Diese Geschichte hat für Furore gesorgt. Zu Recht, denn es ist einiges zu tun, kommentiert Christine Ulrich.

Es wird enger im Öffentlichen Personennahverkehr in München. Die Gesellschaft altert – also werden in Bussen und Bahnen künftig mehr Sitzplätze und Stellplätze für Rollatoren gebraucht. Die Münchner bekommen viele Kinder, und viele junge Menschen ziehen zu – also werden mehr Sitzplätze für Kinder und Stellplätze für Kinderwagen nötig. All das beißt sich. Alt und Jung, Berufspendler und Touristen konkurrieren um den Raum.

In diesem Spannungsfeld scheint es nebensächlich zu sein, wenneine Mutter und ihre drei Kinder nicht mit einem Fahrradanhänger in die Trambahn einsteigen dürfen. „Ist viel zu sperrig“ – „ist halt verboten“ – „soll sie halt den Kilometer laufen“ – „wo ist der Skandal?“ So haben viele Leser den Vorfall kommentiert.

Doch das wird ihm nicht gerecht. Es geht auch darum: Worauf können sich Fahrgäste im ÖPNV verlassen? Wie transparent sind die Regeln der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG)? Wie flexibel reagiert die MVG auf sich verändernde Verhältnisse? Und wie werden sich Fahrgäste einig, wenn es keinen Raum dafür gibt, dass jeder auf seinem Recht besteht?

Die meisten modernen Radanhänger haben zwei Funktionen: Sie können ans Radl gehängt oder als Kinderwagen geschoben werden. Viele Familien mit mehreren Kindern nutzen gar keinen klassischen Kinderwagen mehr. Zudem haben die meisten Anhänger heute eine Feststellbremse. Und oft sind sie kaum größer als ein (Zwillings-)Kinderwagen. Es gibt also kaum noch einen Grund für die MVG, die Anhänger als Rad-Zubehör zu disqualifizieren und sie in Bus und Tram zu verbieten.

Doch auch wenn Anhänger künftig erlaubt würden, kann daraus kein unbeschränkter Anspruch der Fahrgäste erwachsen. Ich habe selbst erlebt, wie ein Bus eine Viertelstunde nicht losfahren konnte, nachdem sich eine Mutter mit ihrem Kinderwagen hineingequetscht hatte, für den dort definitiv kein Platz mehr war. Stur verwies sie auf ihr Fahrgastrecht. Hier hätte sie mehr Verständnis zeigen müssen, denn im Zweifel heißt es eben auch: Der Fahrer entscheidet, und der Fahrgast muss auf den nächsten Bus warten.

Drei Dinge sind vonnöten: Erstens sollte die MVG Radanhänger und Kinderwagen gleich behandeln, es ist an der Zeit. Zweitens müssen die Beförderungsregeln wesentlich transparenter werden. Und drittens müssen die Menschen, Fahrgäste untereinander und mit dem Fahrer, miteinander reden und sich gegenseitig ihre Bedürfnisse erklären. Damit immer aufs Neue Friede werde im ÖPNV.

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