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Lorenz von Stackelberg.

Nicht die Skrupel hätscheln!

Kommentar: Terror bedroht auch Deutschland

München - Nach den Anschlägen in Paris ist die Terrorgefahr in Europa weiter hoch. Merkur-Redakteur Lorenz von Stackelberg sieht die Bedrohung auch für Deutschland.

Wenn der Bundesinnenminister nach den Pariser Terroranschlägen hierzulande eine „unverändert große Bedrohung“ diagnostiziert, dann heißt das im Klartext, dass Deutschland sich schon lange im Visier von islamistischen Terroristen befindet, zur Stunde aber keine Hinweise auf konkrete Attentatspläne vorliegen. Das klingt zwar nicht dramatisch, aber auch nicht eben beruhigend. Fragt man nach Schlussfolgerungen, dominiert Ratlosigkeit.

Falsch dürfte jedenfalls die Ansicht sein, Deutschland könnte sich vor Terror schützen, würde es sich nur konsequent von Syrien, Afghanistan oder bestimmten afrikanischen Regionen fernhalten. Die kruden Verheißungen des IS-Kalifats gründen auf irrationalem Hass auf alles Westliche und transportieren einen Missions- und Endsieg-Anspruch. Solange der IS weltweit Erfolg ausstrahlt, wird er fanatische Jünger in vielen Ländern finden. Ihn gewähren zu lassen wäre die falscheste Entscheidung – auch wenn die am Syrien-Konflikt unmittelbar beteiligten Parteien, allen voran Russland, zunächst am Zuge sind.

Vor diesem Hintergrund bleibt dem Mann auf der Straße wenig mehr, als den sichtbar wachsenden Aufwand der Sicherheitsbehörden vor Flugplätzen, Bahnhöfen, in Verkehrsmitteln und anderen öffentlichen Einrichtungen mit Verständnis zu begleiten. Und mit einer Portion gelassener Wachsamkeit, die beim Anblick eines öffentlichen Papierkorbs, einer herrenlosen Tasche oder eines fusselbärtigen Kaftanträgers nicht gleich in Panik umschlägt.

Das ist wenig tröstlich, zugegeben. Aber man hat es hier nicht mit Kleinkriminellen zu tun, sondern mit zu allem entschlossenen Fanatikern, die das eigene Leben nicht achten und jederzeit Katastrophen inszenieren können. Diese Leute, die unsere lebensfrohe Diesseitigkeit verachten, werden wir umso schwerer wieder loswerden, je mehr wir vor ihnen zurückweichen. Und je hartnäckiger wir unsere unendlichen Skrupel gegenüber allem Militärischen und rechtsstaatlichen Instrumenten wie den Geheimdiensten hätscheln.

Lesen Sie auch:

Terror von Paris: Was wir wissen - und was nicht

Lorenz von Stackelberg

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