MM-Redakteur Mike Schier.

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Terror in Echtzeit: Die Angst nimmt zu

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München - Jeder muss sich selbst beruhigen - zum Beispiel mit der banalen Erkenntnis, dass deutlich mehr Verkehrs- als Terroropfer zu beklagen sind. Noch mehr hilft zu verstehen, wie Angst heute entsteht - und wie Terroristen sich das zunutze machen.

Der Ministerpräsident hätte kaum deutlicher werden können: Die Sicherheitslage sei ernst und bedrohlich, antwortete Horst Seehofer auf die Frage, ob wir zu Recht Angst hätten. Nizza, Würzburg, München, Reutlingen, Ansbach, am Dienstag Saint-Étienne-du-Rouvray – die Reihe lässt das Unbehagen wachsen. Selbst gelassene Zeitgenossen berichten plötzlich, in der S-Bahn Mitfahrende skeptisch zu beäugen und auf die Wiesn dieses Jahr zu verzichten.

Leider besteht kein Anlass, die Gefahr durch fehlgeleitete Individuen zu bagatellisieren, denen – ganz abgesehen vom Motiv für ihre wahnsinnigen Angriffe – oft eine Vorgeschichte mit psychischen Problemen gemein ist. Wo Vorbilder weltweit Schlagzeilen machen, finden sich Nachahmer. Inzwischen scheint sich auch die Kanzlerin massiv vor einem radikalen Stimmungsumschwung zu fürchten: Obwohl im Urlaub in der Uckermark, eilt Angela Merkel am Donnerstag nach Berlin vor die Hauptstadtpresse.

Doch die Kanzlerin allein wird die Deutschen nicht beruhigen. Das muss schon jeder für sich tun. Es ist der Moment, sich selbst zur Disziplin zu rufen. Beispielsweise mit der eher banalen Erkenntnis, dass deutlich mehr Verkehrs- als Terroropfer zu beklagen sind – die meisten aber sorglos in ihr Auto steigen. Noch mehr hilft zu verstehen, wie die Angst heute entsteht: Gerade Terroristen machen sich die veränderte Medienwelt zunutze. 

Heute kann man das Leid von Anschlägen selbst aus Paris, Bagdad oder Istanbul mehr oder weniger live in Sozialen Netzwerken verfolgen – falsche Gerüchte wie in München inklusive. Die TV-Sender tragen vieles weiter. So werden heute schlechte Nachrichten aus der Ferne nicht mehr nur in der „Tagesschau“ vermeldet – man erlebt die Panik, als wäre man mittendrin. Wir müssen lernen, damit umzugehen.

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