Anschläge in Paris

Kommentar zum Terror in Paris: Jetzt sind wir alle Flüchtlinge

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München – Die Terrorserie von Paris hat mindestens 120 Menschen das Leben gekostet. Und sie wirft ein neues Licht auf die Flüchtlingskrise in Deutschland: ein Kommentar von Markus Knall, Chefredakteur unserer Onlineredaktion.

Jetzt also ist der IS-Terror in Europa angekommen. Mitten unter uns; nur wenige Stunden Zugfahrt entfernt in Paris, der Stadt der Liebe. Während die deutsche Nationalmannschaft Fußball spielt, hören wir live im Fernsehen die Schüsse der Attentäter. Wenig später ist klar: Der Terror ist jetzt ganz nah. 

Der Islamische Staat hat sich offenbar zu den Anschlägen bekannt. Und der Krieg in Syrien wird plötzlich auch in Europa geführt. Der Terror vor der eigenen Tür schockiert. Dem Entsetzen folgt bald die Angst, der Angst die Verunsicherung. Hilflosigkeit gegenüber der unberechenbaren Gefahr. Wo ist man noch sicher? 

Es ist die gleiche Angst, die die Menschen spüren, die seit Monaten aus Syrien oder Afghanistan zu uns fliehen. Es ist das gleiche Entsetzen vor der Gewalt in ihrer Heimat, das Flüchtlinge sich in überfüllten Booten zwängen lässt. Es ist die gleiche Hilflosigkeit, die sie dazu treibt, ihr letztes Vermögen Schleusern zu übergeben. Es ist die gleiche Angst vor Tod und Terror, die sie ihre Heimat verlassen lässt. 

Mindestens 120 Menschen sind den Anschlägen in Paris zum Opfer gefallen – es sind wohl auch Muslime darunter. Wenig im Vergleich zu den zahllosen Terror-Opfern in Syrien, Irak und Afghanistan. Wie klein sind da unsere Ängste im Vergleich? 

Jetzt, da wir die Gefühle mit vielen Flüchtlingen teilen, erscheint die Diskussion in Deutschland in neuem Licht: Den Familiennachzug für syrische Flüchtlinge zu verzögern, bedeutet, deren Liebsten länger der Angst und dem Terror auszusetzen. Flüchtlinge aus Kriegsgebieten an der Grenze abzuweisen, bedeutet, sie in ihrer Hilflosigkeit alleine zu lassen. Wer in Europa hätte das selbst erleben wollen? 

Nun sind wir alle Flüchtlinge.

#prayforparis #refugeeswelcome

Die aktuellen Entwicklungen vom Sonntag finden in unserem News-Ticker vom Montag

Rubriklistenbild: © Haag

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