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Mike Schier.

May, Trump und die EU

Kommentar: Zwischen den Stühlen

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Für Theresa May wird es ungemütlich. Wie positioniert sich London beim EU-Gipfel, wenn es um den Umgang mit Donald Trump geht? Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Mike Schier.

Es war eine unangenehme Reise für Theresa May. Mal wieder. Am Montagabend musste die britische Premierministerin nach Dublin, wo man den Brexit noch skeptischer beäugt als im Rest der EU. Während May den Iren versicherte, man wolle die grüne Insel mit ihrer heiklen Vergangenheit nicht wieder durch Grenzzäune teilen, erreichte sie die Nachricht, dass vor ihrem Dienstsitz in London Tausende demonstrierten. Wegen ihrer US-Politik.

Es wird ungemütlich für die britische Regierung. Je toller es Donald Trump in Washington treibt und je weiter das Unverständnis in der westlichen Welt über seinen autokratisch anmutenden Stil um sich greift – desto heikler wird Mays Strategie, in Trump, mit dem sie vergangene Woche demonstrativ Händchen hielt, einen neuen Partner zu finden. Die EU, die nach anfänglicher Schockstarre ihrerseits beim anstehenden Gipfel eine Strategie im Umgang mit Trump finden muss, wird genau beobachten, wie sich London positioniert. Trump stellt seit seiner Amtsübernahme Grundwerte der westlichen Weltordnung in Frage. May muss sich gut überlegen, ob sie dem US-Präsidenten auf diesem Zerstörungskurs folgt, nur um am Ende ein gutes Handelsabkommen zu bekommen.

Die Entwicklung der letzten Tage ist alarmierend. Es zeigt sich, dass europäische Einzelstaaten zwischen amerikanischen, russischen oder chinesischen Interessen zerrieben werden könnten. Nicht nur die Briten wären gut beraten, sich auf europäische Gemeinsamkeiten zu besinnen.

Sie erreichen den Autor unter Mike.Schier@merkur.de

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