Die CSU und Merkels Kandidatur

Kommentar: Tiefe Wunden, wenig Zeit

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München - Merkels Kanzlerkandidatur verschieben oder überschatten zu können, ist das letzte Faustpfand der CSU. Nun schwächt deren Vize Manfred Weber die Position der kleinen Schwester. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.

Die CDU will keinen Landesverband in Bayern? Warum auch? Sie hat ja offenbar einen Bezirksverband Niederbayern. Anders ist kaum der Ehrgeiz zu erklären, mit dem Manfred Weber, eigentlich CSU-Vize, die sofortige Ausrufung Angela Merkels zur gemeinsamen Kanzlerkandidatin fordert. Nein, das ist nichts Böses, vielleicht kommt es am Ende auch so. In der CSU-Wählerschaft gibt es durchaus Teilmengen, die Merkel wieder vertrauen oder das immer schon taten. Der strategische Sinn von Webers Vorstoß ist allerdings kaum ersichtlich.

Merkels Kanzlerkandidatur verschieben oder überschatten zu können, ist das letzte Faustpfand der CSU in den Verhandlungen über eine noch weiterreichende Korrektur der Flüchtlingspolitik – der Politik, nicht nur ihrer Beschreibung. Mit dem Bekenntnis, Merkel unabhängig von ihrem Kurs wieder vorzuschlagen, schwächt Weber die CSU-Führung. Hätte Seehofer vor den Verhandlungen zum Länderfinanzausgleich zugesagt, am Ende werde er eh alles unterschreiben, wäre er mit blauen Flecken und leeren Händen aus Berlin zurückgekehrt.

Mehr noch: Die CSU ist nicht reif für diese Entscheidung. Das Unions-Zerwürfnis 2015 war so schwerwiegend, dass es mehr Zeit braucht, um Bayerns Konservative und die Kanzlerin wieder aneinander zu gewöhnen, Ausgang ungewiss. Jeder Bundestagskandidat in Bayern muss sich in diesen Wochen fragen lassen, ob er genügend Mumm für eine Stimme gegen die Kanzlerin hätte. Nicht ohne Grund bleiben Merkel und Seehofer wechselseitig den Parteitagen fern. Hudelei beim Annähern provoziert geradezu das Gefühl, hier werde nur ein großes Theater veranstaltet, die CSU habe sich mit Finanzausgleichsmilliarden zahm stimmen lassen – ein Eindruck, der an jeder Wahlurne tödlich sein kann. Vielleicht kann Weber, der anders als seine Parteifreunde erst 2019 wieder eine Wahl überstehen muss, das alles gelassener sehen. Mit seinem Satz reiht er sich aber in den Kreis derer ein, die sich in der CSU gerade nicht um Gesamtverantwortung bewerben. 

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