Das Dilemma der Union

Kommentar: Tritt Merkel wieder an – und mit wem?

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München - Wenn Merkel nicht mehr antritt, haben CDU und CSU ein Problem. Und zweitens: Wenn Merkel wieder antritt, haben CDU und CSU auch ein Problem. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Ob Angela Merkel nach zwölf Jahren Amtszeit ihre Bereitschaft erklärt, nochmal als Kanzlerin anzutreten – und wenn ja, wann sie dies tut –, weiß im Augenblick wahrscheinlich nur sie selbst. Ihre Parteifreunde, die echten und die im Strauß’schen Sinne, aber wissen jetzt schon zweierlei. Erstens: Wenn Merkel nicht mehr antritt, haben CDU und CSU ein Problem. Und zweitens: Wenn Merkel wieder antritt, haben CDU und CSU auch ein Problem.

Wie eine unsichtbare Wasserscheide hat die Flüchtlingskrise die Unions-Wählerschaft geteilt. In jene, die CDU oder CSU ohne Merkel niemals wählen würden. Und in jene, die sie mit Merkel nicht mehr wählen wollen. Die beiden Schwestern stecken in einem Dilemma wie nie zuvor in ihrer gemeinsamen Geschichte seit 1948. Diesem Zwiespalt können beide nicht entrinnen, indem sie Merkel stürzen, aber erst recht nicht, indem sie ihrer Asylpolitik wie auf dem Karlsruher Jubelparteitag huldigen. Um ihre gespaltene Anhängerschaft wieder zusammenzuführen, müssen sie eine Konfiguration ersinnen, die sie für beide Lager wählbar macht. Um einen alten Wahlkampfschlager abzuwandeln: Nicht (nur) auf die Kanzlerin kommt es diesmal an – sondern darauf, dass CDU und CSU eine Wahlkampfaufstellung finden, die für Merkel-Fans wie für ihre Kritiker halbwegs attraktiv wirkt.

Nur wie? So wie CSU-Chef Stoiber 2005 unter Merkel mit dem (später gebrochenen) Versprechen antrat, als ihr „Superminister“ die Wirtschaft zu sanieren, könnte Seehofer als Merkels Superminister für innere Sicherheit und Zuwanderung der Garant für eine neue, weniger blauäugige Flüchtlingspolitik sein. Für Seehofer wäre die Retter-Rolle in schwerer Zeit die triumphale Krönung einer großen Karriere. Und für Merkel der gesichtswahrende Ausweg aus einer unhaltbar gewordenen Position. Nur zueinanderfinden müssten die beiden Elefanten der deutschen Politik noch.

Rubriklistenbild: © Haag

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