Außenpolitische Doktrin

Kommentar: Trump, der Unberechenbare

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Bisher hatte jeder amerikanische Präsident eine feste außenpolitische Doktrin. Nun zeichnet sich auch die von Donald Trump ab. Eine Doktrin der Unberechenbarkeit, findet Politik-Redakteur Mike Schier. 

Die außenpolitische Doktrin gehört seit zwei Jahrhunderten zum festen Repertoire amerikanischer Präsidenten: 1823 verkündete James Monroe in seiner Monroe-Doktrin das Prinzip der Nichteinmischung der USA in europäische Konflikte. Die Truman-Doktrin stellte später den Kampf gegen den Kommunismus in den Mittelpunkt. Und die Obama-Doktrin, die sich im Lauf der Zeit entwickelte, beendete die ungehemmten militärischen US-Alleingänge und setzte auf Kooperation. So unterschiedlich der Inhalt auch war, die Intention hatten alle gemein: Jede Doktrin lieferte den geistigen Überbau für die tägliche Politik des jeweiligen Präsidenten während seiner Amtszeit.

Drei Monate nachdem Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, zeichnet sich nun eine neue Doktrin ab – wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne. Natürlich folgt ein Donald Trump keiner ausgeklügelten Strategie für die Krisenregionen der Welt, die auf Beratung mit außenpolitischen Experten fußt. Eher das Gegenteil. Er hat mit seiner Bombardierung der syrischen Armee in der vergangenen Woche eine Bauchentscheidung getroffen, die allen seinen bisherigen Einlassungen widerspricht. Erst staunte die Welt – und dann womöglich Trump selbst, weil ausgerechnet seine erste kriegerische Hemdsärmeligkeit im Stile eines George W. Bush von der liberalen Presse mit Beifall bedacht wurde.

Seitdem wird wild spekuliert. Waren die Russen in die Entscheidung eingebunden? Man darf das bezweifeln. Vielmehr hat Trump ein Signal an all jene gesendet, die meinten, seine „America-first“-Rhetorik würde ihnen Spielräume für eigene Machtfantasien gestatten. Es ist eine „Doktrin der Unberechenbarkeit“, die auch als Warnschuss an Russland oder China dient, sich nicht zu sicher zu fühlen (und gleichzeitig innenpolitische Kritiker wegen der Beziehungen nach Moskau in die Defensive bringt). Wenig spricht dafür, dass aus Trump deshalb ein Weltpolizist wird. Aber er hat allen gezeigt, dass sich Washington auch künftig einmischen wird. Nur wie, das bleibt offen.

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