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Redakteur Mike Schier.

Wie in einem schlechten Agentenfilm

Kommentar: Trump und die Geheimdienste - völlig zerrüttet

Der künftige US-Präsident Donald Trump verdächtigt die Geheimdienste seines eigenen Landes, ihm mit der Verbreitung falscher Berichte schaden zu wollen. Ein Kommentar von Mike Schier. 

Mit einem so schlechten Drehbuch für einen Agentenfilm bekäme kein Schreiber in Hollywood einen Abnehmer: Eine Woche vor seinem Amtsantritt wird Donald Trump, dann der mächtigste Mann der Welt, zum Spielball der Geheimdienste. Hier die Russen, die Trump angeblich mit kompromittierendem Material in der Hand haben, dies aber bestreiten. Dort die amerikanischen Geheimdienste, deren „Warnung“ für Trump just an dem Tag publik wird, an dem der künftige Präsident seine erste Pressekonferenz plant. Der Inhalt: pikant. Die Quellenlage: undurchsichtig. Und Trump twittert: „Ein letzter Schuss auf mich. Leben wir in Nazi-Deutschland?“

Mehr Nahrung kann man Verschwörungstheoretikern binnen eines Tages kaum liefern. Keiner kann sagen, was stimmt. Aber jeder darf die Geschichte so interpretieren, wie sie ihm passt: Die Trump-Gegner trauen ihm jede Schweinerei zu. Seine Anhänger machen das korrupte System Washingtons und die Medien („Fake News“) verantwortlich. Tatsache ist: Der neue US-Präsident tritt sein Amt mit einem völlig zerrütteten Verhältnis zu den Geheimdiensten an, auf deren Arbeit er sich in den nächsten vier Jahren verlassen muss. Er kann zwar die Spitzen der Dienste austauschen, aber der Riss reicht schon jetzt extrem tief. Für die amerikanische Außenpolitik und tausende Soldaten könnte das zum Problem werden.

Irritierend bleibt auch Trumps Verhältnis zu Russland: Erstmals gibt der künftige Präsident offen zu, dass Russland mit Hackerangriffen auf die Demokraten massiven Einfluss auf die US-Wahl nahm. Die Demokraten hätten ihre Systeme eben nicht so geschützt wie die Republikaner – selbst schuld. Kein kritisches Wort in Richtung Moskau, stattdessen neuerlicher Verweis auf China. Eines ist nach dieser denkwürdigen Pressekonferenz klar: Die Weltordnung wird sich unter Trump sehr rasch ändern.

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