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MM-Redakteur Til Huber.

Türkische Imame in Deutschland

Kommentar: Erdogans Instrumente

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Offenbar hatte die türkische Religionsbehörde Diyanet, der auch der Moscheeverband untersteht, über seine Imame in Deutschland hier lebende türkische Landsleute ausspionieren lassen. Merkur-Redakteur Til Huber kommentiert. 

Die Rechtfertigungsversuche des Moscheeverbandes Ditib klingen etwas abenteuerlich. Offenbar hatte die türkische Religionsbehörde Diyanet, der auch der Moscheeverband untersteht, über seine Imame in Deutschland hier lebende türkische Landsleute ausspionieren lassen, die der Gülen-Bewegung angehören – jener Gruppe, die der Türkische Präsident Erdogan zum Staatsfeind Nummer eins erklärt hat. Nun soll das Ganze laut Ditib nicht so gedacht gewesen sein. Die Behörden in Deutschland seien aus Versehen angeschrieben worden, heißt es. Aber die Berichte, in denen Kindergärten, Kulturvereine und Einzelpersonen denunziert werden, sind jetzt eben schon in Ankara gelandet. Hoppla!

Bisher war das fragwürdige türkische Konstrukt der staatsabhängigen Imame nur ein abstraktes Problem. Dass die Geistlichen in Deutschland im Sinne der türkischen Regierung und ihrer Interessen agitieren könnten, galt als theoretische Gefahr. Nun zeigen sich die Auswirkungen offenbar zum ersten Mal konkret: Erdogan sieht die von ihm abhängigen Imame wohl keineswegs nur als Seelsorger und Vorbeter. Sie sind auch Instrumente zur Durchsetzung seiner politischen Interessen. Es sieht so aus, als greife damit neben dem Kurdenkonflikt auch der zweite innertürkische Brandherd immer mehr auf Deutschland über. Das ist nicht hinnehmbar. Der Spalt in der türkischen Gesellschaft darf nicht auch noch hierzulande zum Sicherheitsproblem werden. Mit dem Abhängigkeitsmodell sollte in absehbarer Zeit Schluss sein.

Die Neuausrichtung darf sich allerdings nicht in Belehrungen und Verboten erschöpfen. Selbstverständlich sollen Türken in Deutschland weiterhin ihre Religion ungehindert ausüben. Es müssen aber neue Angebote her, mehr Imame müssen in Deutschland ausgebildet werden. An Universitäten, nicht an Koranschulen. Das wird Geld kosten, aber es wäre gut investiert. Im Interesse aller, die sich ein friedliches Miteinander wünschen.

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