Die Union in der Flüchtlingskrise

Kommentar: Stützen oder stürzen

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München - Bisher agierte Horst Seehofer in der Flüchtlingsdebatte strategisch klug. Er erfasste die Stimmung im Land richtig, Angela Merkel nicht. Doch auf Dauer könnte die Rebellion gegen die Kanzlerin zum Problem werden. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.

Wenn die Zeichen nicht trügen, steht diese Woche in Bayern eine weitere Eskalation der Flüchtlingskrise an. Nach dem Wiesn-Ende kommen wieder viel mehr Flüchtlinge in München an. Zahlen wurden gezielt in Umlauf gebracht, wie extrem überdurchschnittlich Bayern Menschen aufnahm und wie sich andere Länder drücken. Die Staatsregierung droht damit, Züge einfach ziellos nach Norden und Westen losfahren zu lassen.

Der Zorn in Bayern spricht für extreme Alleingänge, die Vernunft für Einigungsversuche. Bisher agierte Seehofer strategisch klug. Er erfasste die Stimmung im Land richtig, Merkel nicht. Seine scharfe Kritik an der Kanzlerin war sachlich gerechtfertigt und schuf ein Ventil: Eine Alternative für diejenigen, die weniger von Willkommenskultur bewegt sind als von Sorgen vor einer Überforderung der Gesellschaft. Das dürfte übrigens auch eine Mehrheit der CDU-Basis sein.

Auf Dauer ist die Rebellion gegen Merkel aber kein Erfolgsrezept. Wie lange traut man einer streitenden Union insgesamt – die Hakeleien Seehofer-Söder eingeschlossen – die Lösungskompetenz beim drängendsten Thema der Republik zu? Auch nähert sich der Punkt, ab dem die CSU nie mehr glaubwürdig für Merkel Wahlkampf machen kann. Der Umgang mit den Mächtigsten gehorcht meist knallhart einer Formel: Stützen oder stürzen. Sollte die CSU Merkel stützen wollen, ist ein Ende des Konflikts nötig: Merkel muss den Kurs in der Zuwanderungspolitik erheblich verschärfen, die CSU sollte ihr dazu gesichtswahrend die Möglichkeit geben. Das Zeitfenster dafür schließt sich sehr schnell.

Christian Deutschländer

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Christian.Deutschlaender@merkur.de

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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