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Annegret Kramp-Karrenbauer ist Nachfolgerin von Angela Merkel als Parteivorsitzende. Bei der Frage, ob sie auch Kanzlerkandidatin werden soll, ist die Lage komplizierter.  

Kanzlerkandidat: Ruf nach Urwahl

Kommentar: Die Union muss mehr Demokratie wagen

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Offene Debatten- und Beteiligungskultur statt Machtkartellen und Hinterzimmerpolitik. Der Union täte es gut, mehr Demokratie zu wagen, meint Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Deutschland sucht den Kanzlerkandidaten – und findet keinen: Robert Habeck will (angeblich) keiner sein, Annegret Kramp-Karrenbauer wär’s gerne, hat die Rechnung aber ohne ihre Parteifreunde gemacht. Und die SPD wäre schon froh, wenn sie einen neuen Chef fände, der die Trümmer beiseite räumt.

Position von Kramp-Karrenbauer ist inzwischen stark angegriffen

Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Menschen wählen keine Parteiprogramme. Sondern Menschen, die die Ziele ihrer Parteien authentisch verkörpern, mit Charisma, Glaubwürdigkeit und Führungsstärke. Die in der Opposition erstarkten Grünen haben mit Habeck und Annalena Baerbock gleich zwei entsprechende Kandidaten aufzubieten. In der Staatspartei CDU, die in 70 Jahren Bundesrepublik 50 Jahre lang den Kanzler stellte, ist die Lage komplizierter. Das vermeintliche Machtwort des Unions-Fraktionschefs Brinkhaus zugunsten von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer ist nur ein weiterer Beleg, wie angegriffen deren Position mittlerweile ist. Wenn unter ihrer Führung auch die Herbstwahlen im Osten der Republik für die CDU verloren gehen, muss die Partei eine strategische Entscheidung treffen: Sie kann mit dem – bislang eher farblosen – NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Wähler von den Grünen zurückzulocken versuchen. Oder, besser, mit dem polarisierenden, aber profilierten Friedrich Merz AfD und FDP Stimmen abjagen.

Die Forderung der konservativen Werteunion nach einer Urwahl des Spitzenkandidaten ist charmant, weil sie einen glasklaren Schlussstrich zöge unter die bleiernen Jahre, in denen das Kanzleramt den Parteimitgliedern alle wichtigen Entscheidungen (bis hin zur Asylpolitik) aus der Hand nahm. Es wäre inmitten einer existenziellen Krise ein Signal des Aufbruchs. Viele Bürger fühlen sich heute abgestoßen von Machtkartellen und Hinterzimmerpolitik – auch das ist ein Grund, warum die Grünen mit ihrer offenen Debatten- und Beteiligungskultur auf viele Menschen, gerade die jüngeren, so anziehend und modern wirken. Mehr Demokratie wagen: Warum nicht auch in der Union?

Sie erreichen den Autor unter Georg.Anastasiadis@merkur.de

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