+
Republikanischer Sieger am "Super Tuesday": Donald Trump.

Milliardär gewinnt am "Super Tuesday"

Kommentar: Ein US-Präsident Trump kann für uns eine Chance sein

München - In Europa schauen viele besorgt nach Amerika und haben Schreckensvisionen - für den Fall dass Donald Trump der 45. Präsident der USA wird. Doch letzteres wäre auch eine Chance.

Merkur.de-Autor Mark Bihler

Der französische Historiker Emmanuel Todd hat ein Händchen für die Vorhersage von Untergangsszenarien. So rechnete er bereits 1976 mit dem Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums - so früh hatte es kaum einer auf dem Schirm. 2003, beim zweiten Irakkrieg, legte der Historiker nach. "Weltmacht USA - Ein Nachruf", lautete der provokante Titel seines Buches damals. Die uneingeschränkte Vorherrschaft Amerikas sei spätestens unter der Präsidentschaft von George W. Bush zerbrochen, analysierte Todd. Auch da hatte er Recht. Dass Amerika nicht mehr fast im Alleingang schalten und walten kann, zeigt sich schon in Syrien, wo ein selbstbewusstes Russland die Agenda weitgehend diktiert.

Noch ist nicht sicher, ob Donald Trump nach seinem Erfolg am "Super Tuesday" auch Präsident der Vereinigten Staaten wird. Schafft er es ins Amt, dann muss man eigentlich kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass er den Hardliner geben wird. Amerika zuerst - das wird seine Maxime sein, ähnlich wie unter Bush. Für Europa keine sonderlich wünschenswerte Perspektive.

In Europa steckt noch ein Kern

Europa müsste sich langsam Alternativen zur mehr oder minder starken Abhängigkeit vom Partner Amerika überlegen. Bisher haben alle geschlafen: keine gemeinsame Verteidigungspolitik in der EU, keine gemeinsame Finanzpolitik. Europa gleicht derzeit eher einem Scherbenhaufen, da braucht man nur an die Flüchtlingspolitik denken.

Dennoch: In Europa steckt noch ein Kern. "Für sich allein sind Frankreich und Deutschland mittlere europäische Mächte, zusammengenommen bilden sie eine Weltmacht", so Historiker Todd in einem "Spiegel"-Interview 2003. Auch wenn das vielleicht etwas übertrieben ist. Im Kern-Europa liegt viel Potential für die Zukunft. Auch Großbritannien wird sich überlegen müssen, ob es sich lieber an Europa als an eine Weltmacht auf dem Rückzug ketten will. Die EU ist ein historisch einzigartiges Projekt, das sich einfach neu erfinden sollte. Falls sich Amerika unter einem Präsidenten Donald Trump isoliert, dann könnte dies dazu eine Chance sein.

Mark Bihler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ex-Leibwächter von Bin Laden soll abgeschoben werden
Bochum (dpa) - Der in Bochum lebende frühere Leibwächter des getöteten Terrorchefs Osama bin Laden ist festgenommen worden und soll abgeschoben werden. In einem Bescheid …
Ex-Leibwächter von Bin Laden soll abgeschoben werden
Jetzt doch - Ex-Leibwächter Bin Ladens soll abgeschoben werden
Der seit 2005 in Bochum lebende frühere Leibwächter des getöteten Terrorchefs Osama bin Laden ist festgenommen und soll abgeschoben werden. 
Jetzt doch - Ex-Leibwächter Bin Ladens soll abgeschoben werden
Abgeordnete: Lage an Bord der "Lifeline" spitzt sich zu
Immer häufiger wird Rettungsschiffen mit Flüchtlingen an Bord die Einfahrt in Häfen der EU verwehrt. Nun ist ein Schiff mit deutscher Besatzung betroffen.
Abgeordnete: Lage an Bord der "Lifeline" spitzt sich zu
„Er macht komplett den Trump“: Seehofer sorgt sogar in den USA für Aufsehen - Parteifreunde warnen
Früher galt Franz-Josef Strauß als Vorbild für scharfe Attacken der CSU. Beobachter sehen nun einen anderen Zeitgenossen als Leitbild der Partei: Donald Trump.
„Er macht komplett den Trump“: Seehofer sorgt sogar in den USA für Aufsehen - Parteifreunde warnen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.