Vermögensverteilung in Deutschland

Kommentar: Ein gefährlicher Trend

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München - Der Trend zu einer Dreiteilung der Gesellschaft in wenige Reiche, eine schrumpfende Mitte und immer mehr Arme ist gefährlich. Das zeigt der neue Bericht zur Vermögensverteilung in Deutschland. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Man muss schon eine rosarote Brille tragen wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft, um aus den neuen Zahlen zur Vermögensverteilung in Deutschland einen Trend zur Besserung herauszulesen. Fakt ist: Nach einem kurzen Knick, ausgelöst durch Finanzkrise und Börsenkrach, wachsen die Vermögen der Reichen wieder viel schneller als die der Normalverdiener. Und: Die Lage der Geringverdiener wird prekärer. Verfügte 1998 die einkommensschwache Hälfte Deutschlands noch über drei Prozent des Nettovermögens, so war es 2013 nur noch ein Prozent.

Der Trend zu einer Dreiteilung der Gesellschaft in wenige Reiche, eine schrumpfende Mitte und immer mehr Arme ist gefährlich. Schließlich ruht unsere soziale Marktwirtschaft auf dem Versprechen von Gerechtigkeit und Teilhabe. Sich mit eigener Hände Arbeit einen bescheidenen Wohlstand zu verdienen, wird immer schwieriger. Daran hat die Politik mitgewirkt: Sie langt bei den Durchschnittsverdienern – Stichwort kalte Progression, Sozialabgaben – besonders kräftig zu, um ihre teuren Wahlversprechen zu finanzieren. Auch die Notenbank trägt mit Nullzinsen aufs Ersparte dazu bei, dass die arbeitende Mitte auf keinen grünen Zweig kommt. Schwer zu bestreiten ist außerdem, dass die Arbeitseinkommen, verglichen mit den Kapitaleinkünften, bei uns zu hoch besteuert werden. Auch bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung ist der Bundesfinanzminister, trotz einiger Erfolge, noch längst nicht am Ziel.

Am Ende wird’s die Steuerpolitik allein nicht richten. Wer es sich leisten kann, sollte seinem Glück selbst nachhelfen und das Erfolgsrezept der Reichen imitieren – indem er sich am Erfolg der Unternehmen beteiligt. Wer langfristig in Aktiensparpläne investiert, macht gewiss keinen Fehler.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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