Bundespräsidentenwahl in Österreich

Kommentar: Wahl-Pannen sind ein schlechter Scherz

München - Man könnte über die Pannen bei der Bundespräsidentenwahl lachen, oder aber sich alarmiert fühlen. Denn die Wahl sollten kein schlechter Österreicher-Witz sein, warnt Merkur-Politikchef Mike Schier. Ein Kommentar.

In den sozialen Netzwerken feiert der Österreicher-Witz, der sich einst zumindest in Bayern großer Beliebtheit erfreute, eine unvermutete Renaissance. Diesmal aber handelt es sich um Frotzeleien politischer Art, denn mit der zweiten schweren Panne bei dieser politisch heiklen Präsidentschaftswahl stellt sich das Land selbst ein eher blamables Zeugnis aus – ganz egal, wo nun der mangelhafte Kleber für die Briefumschläge produziert wurde. Der Wiener „Standard“ lästert über die „Würstlbudenrepublik“.

Doch leider ist der Vorgang nicht unter kabarettistischen Gesichtspunkten zu betrachten. Gerade in Zeiten, in denen Verschwörungstheoretiker Konjunktur haben, sollte der Dilettantismus eher alarmieren. Ordnungsgemäß durchgeführte Wahlen bilden das Fundament jeder Demokratie. Wo sich Bürger nicht mehr darauf verlassen können, dass ihr Staat einen Urnengang organisieren kann, beginnt das ganze System zu erodieren. Wer mag nach der zweiten schweren Panne noch weitere ausschließen? Der seltsame Vertrauensverlust in die Demokratie, der europaweit kurioserweise vor allem jene Generation erfasst, die das System in den Jahrzehnten nach dem Krieg aufgebaut hat, wird so weiter um sich greifen.

Anders als die AfD in Deutschland kann die FPÖ aus solchen Verfehlungen nur bedingt Nutzen ziehen. Sie ist längst Teil des Systems, ihre Mitglieder sitzen in vielen Wahllokalen. Dennoch versucht sie es – und möchte das Briefwahlsystem reformieren, am besten abschaffen. Die Intention liegt auf der Hand: Zuletzt bekam Van der Bellen deutlich mehr Briefwahlstimmen als FPÖ-Mann Hofer. Da wirkt der Vorstoß ziemlich durchsichtig . . .

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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