Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur, Kommentar
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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Fingerzeig zur Bundestagswahl?

Kommentar zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Von Haseloff lernen kann auch die CSU

  • Georg Anastasiadis
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Alle bejubeln jetzt den Wahlsieger Reiner Haseloff. Doch noch besser wäre es, wenn CDU und CSU auch das Geheimnis seines Erfolgs beherzigen würden: Überzeugte, unaufgeregte Konservative können in Deutschland Wahlen gewinnen. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Sieh an. Ausgerechnet Reiner Haseloff, der wohl meist unterschätzte Ministerpräsident Deutschlands, ist der neue Star der Union. In den Parteizentralen von CDU und CSU wollte der Lobpreis des Triumphators von Magdeburg am Montag gar kein Ende nehmen.

Für nicht ganz so viel Beachtung, geschweige denn Begeisterung sorgte in Berlin und München allerdings die eigentliche Botschaft aus Sachsen-Anhalt. Sie lautet: Mit überzeugtem, unaufgeregtem Konservativismus und unverbogenem Kurs lassen sich in Deutschland Wahlen gewinnen und eifernde Rechte ebenso wie moralisierende Grüne auf Distanz halten.

Lernen Söder und seine CSU aus der Wahl in Sachsen-Anhalt?

37 Prozent der Wähler in Sachsen-Anhalt gaben Haseloff und seiner CDU dafür ihre Stimme - das ist fast auf den Zehntelprozentpunkt so viel, wie die viel erfolgsverwöhntere CSU zuletzt unter ihrem nervösen Chef Markus Söder in Bayern eingefahren hatte. Der verfolgt seit Langem eine ganz andere Strategie, will den Grünen die Luft nehmen, indem er sie unermüdlich umarmt und ihre Themen kopiert.

Der knorrige Haseloff macht hingegen kein Hehl aus seiner Abneigung gegen Gender-Unsinn und zu viel Migration. Er bleibt nah bei den Menschen und führt mit der Gelassenheit des überzeugten Wertkonservativen den Kulturkampf, vor dem sich große Teile der Union heute wegducken. Der Landesvater gibt den Menschen damit eine geistige Heimat, die sie anderswo in der Union nicht mehr finden.

Zum Glück hat auch Bayern mit Niederbayern noch seinen wilden Osten, in dem ein paar Unangepasste sich unbequeme Wahrheiten auszusprechen trauen. So wie Manfred Weber, der seinen Parteichef Söder gestern im Vorstand aufforderte, sich wieder mehr um die Stammwähler der CSU zu kümmern. Wenigstens er hat von Haseloff gelernt. Der Rest war wieder mal nur dröhnendes Schweigen.

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